Gebotene Selbstkritik aus Anlaß der „Sh*thole Countries“-Äußerung

Es ziemt sich nicht, sich in unbilliger Weise über Nachbarn und andere Völker jenseits von Meeren und Bergen zu erheben. Deshalb jetzt einige selbstkritische Bemerkungen im Geiste dessen, was über Sh*thole Countries bemerkt wurde.

Michael Klonovsky, der übrigens auch eine sehr instruktive Sammlung von Leserbriefen zum Thema „Was ist ein Drecksloch?“ zugänglich gemacht hat, berichtet und kommentiert:

Am 24. Dezember gab eine Freundin meiner Frau, Pianistin auch sie, ein Essen, und einer der Gäste, ein russischer Cellist, ist auf dem Heimweg von einem Rudel junger Araber ins Koma geprügelt worden. Geschehen zu Karlsruhe in der Heiligen Nacht. Ich erzähle das, weil der Musiker diese Woche aus dem Krankenhaus entlassen wurde; er hatte eine Schädelfraktur und ein gebrochenes Fußgelenk. Die Hände sind gottlob unverletzt geblieben. Gelesen habe ich davon nirgends etwas. Die Polizei hat sich bis heute nicht dafür interessiert, dass ein durch Fremdeinwirkung schwer Verletzter in die Notaufnahme eingeliefert wurde. (Inzwischen schon; Nachtrag vom 15. Januar.) Ein Nachoperation wird notwendig sein. Ich fragte vor zwei Tagen nach einer Weltrangliste der „shithole countries“ (Donald Trump) und bin geneigt, ein christliches Land, in dem ein Musiker von einer Gruppe importierter muslimischer Primär- oder Sekundäranalphabeten ins Hospital getreten wird, weil die mit dem Feiertag der Geburt des Heilands nichts anderes anzufangen wissen, zumindest in den Kreis der Kandidaten auf diesen Schandtitel zu wählen.

Siehe auch die deutsche Hightech- und Bauprojekte betreffenden Bemerkungen auf dem Blog Science Files. 

Thomas Sowell: Kultur macht den Unterschied

„Ich könnte keine einzige Bevölkerungsgruppe irgendwo auf der Welt nennen, die durch politische Maßnahmen aus dem Elend heraus zu Wohlstand gelangt ist.“ Thomas Sowell in einem schon mehr als drei Jahrzehnte alten Interview.

Der Nationalökonom und Soziologe erklärt, weshalb nicht Rasse und Diskriminierung der entscheidende Faktor für das Vorankommen oder Stagnieren einer Bevölkerungsgruppe sind, sondern die Eigenschaften der Kultur jener Gruppe, etwa das Verhältnis zu Treue und Verantwortung oder zur Bildung. Bitte klicken Sie auf das Bild, um zu dem knapp viertelstündigen Film zu gelangen. (Der eingangs genannte Satz folgt nach 9 Min., 45 Sek.)

Sh*thole Countries

Er hat’s wieder getan. Diesmal mit der Bemerkung, bestimmte Länder seien, nun, Dreckslöcher. Der Spielzug verdient Anerkennung. Trump zwingt seine Kontrahenten dazu, entweder das Offensichtliche zu verneinen, oder einen Großteil des Bodens, auf dem sie ihre Gutmenscherei errichtet haben, zerbröseln zu sehen.

Man darf doch weiterhin annehmen, der Human Development Index, der Index der menschlichen Entwicklung bilde keine rechtspopulistische Propaganda?

Und: Natürlich ist die Feststellung, Land X sei ein Drecksloch, keine Bösartigkeit oder gar Hetze den Einwohnern des Landes X gegenüber. Wie spätestens seit Friedrich August Hayeks  The Fatal Conceit bekannt sein dürfte,  sind Kulturen oder Zivilisationen nichts, was sich eben mal – im Verlauf einer Generation, am besten noch am Bürotisch zwischen 8.30 und 16.30 Uhr – herstellen läßt; sie sind über Generationen gewachsen. Mit anderen Worten: Alle Schweizer haben Glück, in der Schweiz geboren worden zu sein, und einige Schweizer handeln so, daß die Schweiz auch in der Zukunft ein lebenswertes, da freies und prosperierendes Land sein wird, während andere Schweizer so handeln, daß sie das Glück künftiger Generationen von Schweizern gefährden. Ein entsprechender Satz läßt sich für die Einwohner verschiedener Drittwelt-Länder bilden – mit umgekehrten Vorzeichen.

Der Schlüssel zum Verständnis der Angelegenheit lautet: Glück (im Sinne des englischen „luck“) und Dankbarkeit. Aus Angst vor dem bösen Blick des Neides das eigene Glück (im Sinne des englischen „happiness“) und dasjenige seiner Kinder und Kindeskinder zu zerstören, taugt kaum als Ausdruck von Weisheit.

Was Stilfragen angeht, nun, da kann man Andrew Klavans Redeweise vorziehen. Der US-Schriftsteller klärt in einem brillanten Video von knapp drei Minuten Dauer über die Aporien des Multikulturalismus auf und nennt einige Drittwelt-Länder „hellholes“.

Zu der Frage, wie man den in solchen Verhältnissen Geborenen helfen könne, äußert sich sehr informativ Dambisa Moyo.

Trump-Lob

Wer bereit ist, seinen Trump-Ekel für einige Minuten versuchsweise abzulegen, findet manchen Hinweis darauf, was US-Präsident Donald J. Trump in seinem ersten Amtsjahr gut gemacht haben könnte. Man muß ja nicht gleich zustimmen, sollte aber wenigstens einmal die andere Seite hören:

Marc A. Thiessen diskutiert in der Washington Post, wie Trump Regelwerke ausjätet, die die Wirtschaft hemmen, und verdeckte Steuern beseitigt. Für Freunde von Best-of-Listen hält derselbe Autor eine Aufstellung der zehn wichtigsten Errungenschaften des neuen Präsidenten bereit.  Darunter befindet sich als siebter Punkt der ohne jeden Zweifel vernünftige und damit gebotene Rückzug aus den Pariser Klimaschutzabkommen. Soll sich dieser Kult anderweitig finanzieren!

Ed Feulner verteidigt Trumps große Steuerreform gegen die weithin linkslastige Presse:

The Tax Cuts and Jobs Act isn’t perfect, but it offers real tax relief to Americans up and down the income scale. President Donald Trump’s opponents are so fixed in their class-warfare ways that they seem oblivious to how beneficial it will really be, to ordinary workers and to the economy as a whole.

(Das Gesetz zur Steuerreduktion und Schaffung von Arbeitsplätzen ist nicht perfekt, aber es bietet eine spürbare Steuerentlastung für alle Amerikaner, ob sie nun viel oder wenig verdienen. Präsident Trumps Gegner sind so tief in ihrer Klassenkampf-Sicht auf die Wirtschaft verwurzelt, daß sie ignorieren, wie nützlich das Gesetz sowohl für den einfachen Arbeiter, als auch für die Wirtschaft im Ganzen sein wird.)

David P. Goldman analysiert Trumps Pläne für das Wiedererstarken Amerikas – auch, aber nicht nur im wissenschaftlich-technischen Wettlauf mit der Volksrepublik China. Der Präsident verstehe,

that national security depends first of all on fixing what is wrong in America: a shrinking industrial base, disrepair in infrastructure, sagging innovation, inadequate scientific and technical education, and an excessive federal debt burden.

(daß die nationale Sicherheit der USA vor allem vom Beseitigen und Ausgleichen verschiedener Mängel abhänge: schwindenden Industrien, verfallender Infrastruktur, immer stärker zurückbleibender Innovation, ungenügender Ausbildung in wissenschaftlichen und technischen Fächern und überbordender, erdrückender Staatsverschuldung.)

Dirk Maxeiner findet, daß die jüngsten Ereignisse im Iran Trumps Sicht auf den Nahen Osten bestätigen.  Die Achse des Guten hatte zuvor bereits Trumps Rede in der UNO-Vollversammlung vom 19.09.2017 in deutscher Übersetzung veröffentlicht – als erstes deutsches Medium, wie Maxeiner  konstatiert.

Auch die Einstellung des amtierenden US-Präsidenten zu „Hilfszahlungen“ an Entitäten wie die Palästinenser oder Pakistan ist wenigstens bedenkenswert.  Weshalb sollten dergleichen Überweisungen bedingungslos fortgeführt werden?

Und dann ist da natürlich noch der Trump-Hund.

Echokammern und Frieseninseln

Echokammern sind derzeit in wenn nicht aller, so doch vieler Munde. Eine bedeutende Anzahl von Zeitgenossen soll sich in solchen Räumen von Gleichgesinnten befinden, darin ihre eigenen Überzeugungen so lange bestätigt finden, bis sie sie für „normal“ und „allgemein-menschlich“ hält.

Natürlich lungern vor allem Rechtspopulisten und Schlimmere in solchen Echokammern herum. Das versteht sich. Das müssen wir kaum diskutieren.

Weit interessanter wirkt die Frage, ob die Echokammern mehr als ein untergeordnetes Problem bezeichnen. Schließlich ist ja nicht das Bestätigt-Werden in Kreisen von mehr oder minder vernünftigen, teils gut-, teils böswilligen Menschen, was brennende Sorge bereitet. Sondern das Driften des politischen Diskurses nach links, das Abtreiben der Bundesrepublik Deutschland in Gefilde, wo gewöhnliche bürgerlich-patriotische Auffassungen plötzlich als unmenschlich gelten.

Nicht die Echokammer ist der Punkt, sondern etwas, das der Trift ostfriesischer Inseln entspricht, die sich, wie allgemein bekannt, mit Wind und Strömung nach Osten bewegen – oder es wenigstens tun würden, wenn nicht massive Befestigungen sie daran hinderten. Keines Menschen Auge vermag eine solche Bewegung zu erblicken, aber ihr Ergebnis läßt sich deutlich erkennen. Die Sache wird durch das Schicksal des alten Westturm auf Wangerooge trefflich veranschaulicht. Dabei handelt es sich um eine Art Kirchturm mit integrierter Kirche. An der Wende zum 17. Jahrhundert im Südosten der Insel erbaut, stand der Turm am Beginn des 20. Jahrhunderts westnordwestlich der Insel im Wasser, bis er während des Ersten Weltkriegs gesprengt wurde. So weit hat sich die Insel unter ihm fortbewegt.

Siehe auch Henryk M. Broder zum Thema.

Shelby Steele: Rassismusverdacht, Beweislastumkehr und Manipulation

Bemerkenswerte Reflexionen über den allgemeinen Rassismusverdacht gegen Weiße und die kaum lösbare Aufgabe, das Gegenteil nachweisen zu müssen, das Handeln von Institutionen, die sich von ihrer Vergangenheit reinwaschen wollen und daher allerlei Widersinniges tun, und die Manipulation der Mehrheit durch eine oder mehrere Minderheiten.

Bitte klicken Sie auf das Bild, um zu dem Film von reichlich zehn Minuten Länge zu gelangen.

David Solway: Oben ist unten, und unten ist oben

Wie es zugeht in einer Welt, in der all dasjenige, was uns oben scheint, für die Gottheit unten ist, und all dasjenige, was uns unten scheint, für die Gottheit oben ist,  beschrieb Leszek Kołakowski. Die Angelegenheit wurde kürzlich von David Solway aufgenommen und mit einer Fülle von Beispielen illustriert:

Eine bis zu den Knien in Blut watende Religion wird zwecks öffentlicher Verdaulichkeit als „Religion des Friedens“ dargestellt. „Soziale Inklusion“ meint die Exklusion jener, die sich weigern, eine vorgefaßte Ideologie zu unterschreiben. „Vielfalt“ oder „Buntheit“ („Diversity“) ist ein antonymisches Synonym für die dumpfeste Einförmigkeit, was Ideen angeht. „Positive Diskriminierung“  („Affirmative Action“) dient dem Rassismus unter des Maske des Antirassismus. Anzügliche Witze, doppeldeutige Kommentare und sogar unschuldige Andeutungen von Bezauberung oder Interesse auf Seiten der Männer werden unter dem Rubrum „sexuelle Übergriffe“ gesammelt und sollen untrügliche Zeichen für eine generelle Verworfenheit des männlichen Geschlechts bilden. Der an Universitäten beliebte Begriff „Vergewaltigungskultur“ („Rape Culture“) bezieht sich auf etwas Nicht-Existentes; gleichwohl wird mit ihm normales Werben und Flirten beschrieben.

Das ist verrückt? Mitnichten. Ideologie soll den Intellekt jedes einzelnen Menschen und damit den Einzelnen selbst demütigen, wie Theodore Dalrymple zeigt. Darüber hinaus bildet deren Akzeptanz das Tor, durch das man in die Elite und deren wohlbestallte Dienerschaft eintreten kann.

„…dass Leute wie ich keineswegs Eliten hassen“

Wolfram Ackner auf Publico:

Einem Großteil der Bevölkerungsgruppe, der ich mich zugehörig fühle – hart arbeitende kleine, bodenständige Leute, die in unspektakulären Jobs schuften und sich oft genug gerade so über Wasser halten können – wurde von Hillary Clinton die Bezeichnung ‘deplorables’ verpasst. Genau so werden wir auch hier in den Medien und Talkshows pathologisiert – als bedauernswerte, minderwertige Gestalten, zerfressen von Hass und Abstiegsängsten, die an Fake News glauben und in bösartiger Borniertheit die (selbsternannten) kosmopolitischen, humanistischen, gebildeten Schichten verachten.

Ich möchte dazu nur kurz anmerken, dass Leute wie ich keineswegs Eliten hassen. Wir verstehen darunter nur etwas anderes als das momentane Spitzenpersonal in Medien, Kultur und Politik. Deren Mitglieder sollten vielleicht schon im Eigeninteresse erkennen, dass die Gelder, welche sie verteilen möchten, immer noch mit unseren rauchenden Industrie-Schloten verdient werden. Und nicht, indem wir uns gegenseitig bezahlte Vorträge über Antifaschismus, Critical Whiteness und Gender Studies halten.

Völlig richtige Bemerkungen, saftig-herzhaft formuliert. Besonders gefällt mir der Hinweis auf die Abstiegsängste, ein nahezu universell brauchbares Psycho-Argument, das schon auf das Bildungsbürgertum des Hohenzollernreiches angewandt wurde, inzwischen jedoch in der Fachliteratur einen, nun, gewissen Abstieg erleben mußte (vgl. Thomas Rohkrämer, Eine andere Moderne? (1999), Carola Groppe, Die Macht der Bildung (2001)).

Yisrael Kristal (1903-2017)

Am 11. August 2017 verstarb der älteste Mann der Welt, nur einen Monat vor seinem 114. Geburtstag. Das machte ihn zu einem der zehn am längsten lebenden Männer seit Beginn der modernen Registrierungen. Wenn Sie nichts anderes als das von ihm wüssten, würden Sie zu Recht denken, dass er ein friedvolles Leben geführt hat, das von Angst, Trauer und Gefahr verschont blieb.

Das Gegenteil ist der Fall. Der betreffende Mann war Yisrael Kristal, ein Überlebender des Holocaust. 1903 in Polen geboren, überlebte er vier Jahre im Ghetto Lodz und wurde dann nach Auschwitz transportiert. Im Ghetto starben seine beiden Kinder. In Auschwitz wurde seine Frau umgebracht. Als Auschwitz befreit wurde, war er ein wandelndes Skelett mit einem Gewicht von nur 37 Kilo. Er war das einzige Mitglied seiner Familie, das überlebte.

Er war als religiöser Jude aufgewachsen und blieb es sein ganzes Leben lang. Als der Krieg vorbei und seine ganze Welt zerstört war, heiratete er erneut, diesmal eine andere Holocaustüberlebende. Sie hatten Kinder. Sie machten Aliyah in Haifa. Dort begann er wieder im Süßwarengeschäft, wie schon vor dem Krieg in Polen. Er stellte Süßigkeiten und Schokolade her. Er wurde ein Innovator. Wenn Sie jemals eine mit Schokolade bedeckte israelische Orangenschale oder Likörpralinen geformt wie kleine Flaschen und mit Silberfolie bedeckt gegessen haben, genießen Sie eines der Produkte, die von ihm stammen. Diejenigen, die ihn kannten, sagten, er sei ein Mann ohne Bitterkeit in seiner Seele gewesen. Er wollte, dass die Leute Süße schmeckten.

Im Jahr 2016, im Alter von 113 Jahren, feierte er endlich seine Bar Mizwa. Hundert Jahre früher hatte sich das als unmöglich erwiesen. Zu diesem Zeitpunkt war seine Mutter tot und sein Vater kämpfte im Ersten Weltkrieg. Mit einem fast poetischen Gefühl von Angemessenheit starb Yisrael am Erev Shabbat Ekev, der Parasha, der den zweiten Absatz des Sh’ma [Yisrael] mit seinen Befehlen enthält, Tefillin zu tragen und deinen Kindern die Torah zu lehren, “damit du und deine Kinder lange in dem Land lebest, das der Herr deinen Ahnen geschworen hat.”

Yisrael Kristal tat beides gewissenhaft. Auf seiner Bar Mizwa scherzte er, dass er der älteste Tefillin-Träger der Welt sei. Er versammelte seine Kinder, Enkel und Urenkel unter seinem Tallit und sagte: “Hier ist ein Mensch, und schau, wie viele Menschen er zum Leben erweckt hat. Da wir alle hier unter meinem Tallit stehen, denke ich: Sechs Millionen Menschen. Stell dir die Welt vor, die sie hätten bauen können.” Das war ein außergewöhnlicher Mann.

Auszug aus einem Text von Rabbi Jonathan Sacks, übersetzt und mit einleitenden Reflexionen versehen von faehrtensuche. Dort ist noch mehr zu finden.