Leibniz Universität Hannover: Das sah ja schon mal besser aus!

Durch den (unschuldigen) Vorsatz, in der Fachbibliothek Sozialwissenschaften der Leibniz Universität Hannover (tatsächlich ohne Bindestrich) zwei schmale Bücher zu entleihen, geriet ich in eine Art Dschungel. Kaum auszudenken, was ein Stipendiat oder eine Stipendiatin aus, sagen wir, Ostasien beim Anblick solcher Verwahrlosung empfinden möchte.

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Die Adresse der Bibliothek lautet: Welfengarten 2c. Was soll man sagen? Bäume und Bänke gibt es. Nur die Jalousie hätte mit größerer Sorgfalt herabgelassen werden können:

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Am Ende eines kleinen Platzes rechts hinter dem Welfenschloß harrt die Fachbibliothek Sozialwissenschaften ihrer Besucher:

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Im Foyer die seit vielen Jahrzehnten bekannte Ressentiment– und Umbruchsprosa:

IMG_4604 hochkantWer sich die Hände waschen möchte, stößt auf ein solches Ambiente:

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Von welcher Anzahl Nazis diese öffentliche Toilette tagtäglich frequentiert werde, entzieht sich meiner Kenntnis. Sehr wahrscheinlich eignet den Aufklebern – vor zwanzig Jahren nannten meine progressiveren Bekannten sie „Spuckis“, weil sie angefeuchtet werden – der Charakter einer Selbstvergewisserung: „Hier herrschen wir, die Sittenwächter des freiheitlichen Diskurses!“

Der Rückweg bot diese Eindrücke:

Nun wurde ich dort keinesfalls schlecht behandelt. Der gepiercte junge Mann an der Rezeption in der Bibliothek behandelte mich mit ausgesuchter Freundlichkeit, und die Bücher waren auch vorhanden. Dennoch ahnt man, weshalb zwischen den beiden Türen, die den Haupteingang zur Fachbibliothek Sozialwissenschaften bilden, dieser Aushang plaziert worden ist:

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…und nun hören wir Dietrich Buxtehude, BuxWV 47, „Ich habe Lust abzuscheiden“.

2 Comments

  1. Feminismus und Marxismus, Gegen-Nazis-Spuckis, Graffitti, … da fragt man sich doch, ob das nicht genau dieselben Hanseln sind, die da auch schon vor zwanzig Jahren rumlungerten; als ob die Zeit stehengeblieben wäre. Wahrscheinlich gehen die auch seit zwanzig Jahren zur Psychologischen Beratung, ohne der Lösung ihrer »Identitätsprobleme« auch nur einen Femtometer näher zu kommen.

    Was sind eigentlich »Identitätsprobleme«? Wie leer müssen das Leben und die Gehirne der Marxisten und Feministen sein, daß sie sich ein »Identitätsproblem« einbilden müssen? (»Bin ich wirklich ich, oder eher nicht ich? Wenn ich gleich Du bin, bist Du dann auch gleich ich? (Reflexivität des Identitätsproblems) Und wenn ich gestern Du war, bist Du dann morgen wieder ich? Fragen über Fragen! Ich komme ja gar nicht zum Arbeiten an meiner Dissertation über feministische Identitätskritik im Spätmarxismus, wenn ich mir nicht darüber im klaren bin, ob ich die Arbeit schreiben soll, oder Du…oder eher doch nicht?…«)

    Na Hauptsache, unsere Steuergelder sind gut angelegt!

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