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Karsten Dahlmanns

ego autem et domus mea serviemus Domino

„Das ist rassistisch!“

Wrack vor Helgoland

Das ist rassistisch!“ – „Das ist chauvinistisch!“ – „Das ist…“ was auch immer, auf jeden Fall ganz, ganz verdorben. Nun gibt es – zweifellos! – Rassisten, Chauvinisten usf. Manchmal sind solche Vorwürfe am Platze. In vielen Fällen aber auch nicht. Dann nämlich, wenn ein Irrtum auf Seiten desjenigen vorliegt, der den Anwurf äußert, oder wenn die Unterstellung aus taktischen Motiven vorgebracht wird, sie den also Geziehenen einschüchtern, verwirren, zum Schweigen bringen soll. Die Angelsachsen nennen das „bullying“.

Wie kann man unterscheiden, ob ein Rassismus- oder Chauvinismus-Vorwurf angemessen sei?

Man muß, schlicht und einfach, hinschauen. Die Sachlage prüfen. Verwechslungen benennen, wo sie auszumachen sind. Denn nicht jedes Argument, das auf Unterschiede zwischen Großgruppen abhebt, muß rassistisch oder chauvinistisch sein. Es gibt schließlich auch ein Vorgehen, das kulturelle (oder „zivilisatorische“) Unterschiede zu beschreiben sucht, aus dem sachlichen, emotionslosen Vergleich zweier oder mehrerer Kulturen gewinnbringende Schlüsse zu ziehen versteht. Culture matters! Kultur hat ihr eigenes Recht. Wer Kultur-Unterschiede biologisiert, begeht einen Kategorienfehler. Darum sind Rassismus-Vorwürfe so! oft so! grotesk. Wer Kultur-Unterschiede willentlich ignoriert oder zu ignorieren bei Strafe künftiger Unberührbarkeit verlangt, übersieht die Wucht des Kulturellen in seinem eigenen Denken und Handeln.

Natürlich ist es nicht immer einfach, dergleichen tatsächlich zu unterscheiden. Zu Zeiten nimmt das „bullying“ ernste Ausmaße an. Ich erinnere mich an eine unglaublich häßliche Krakauerin, die in drei Sprachen gleichzeitig auf mich einschrie, weil ich diesen oder jenen Aspekt ihres Kulturmarxismus anzuzweifeln (oder auch nur zu ignorieren) wagte. Wer in solchen Stürmen einen klaren Kopf bewahrt, wird sein Schiff glücklich nach Hause bringen. Wer sich irremachen läßt, auf den warten Untiefen, auflandige Stürme, Felsen.

Deshalb mag es nutzbringend sein, nachfolgend drei Meister-Navigatoren zu Wort kommen zu lassen: Max Weber, Theodore Dalrymple und Gunnar Heinsohn. Alle drei Zitate geben über kulturelle Unterschiede zwischen Großgruppen Auskunft, aber keines ist rassistisch oder chauvinistisch.

Erstes Zitat:

Max Weber, „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ (in: ders., Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I, Tübingen: J.C.B. Mohr (Paul Siebeck) 1988, S.17-206, Zitat S. 21, Fußnote):

Von der Bevölkerung Badens waren 1895: 37,0 Proz. Protestanten, 61,3 Proz. Katholiken, 1,5 Proz. Juden. Die Konfessionalität der Schüler aber stellte sich 1885/91 auf den über die Volksschulen hinausgehenden und nicht obligatorisch zu besuchenden Schulen wie folgt […] [dar]:

Protestanten Katholiken Juden
Gymnasien 43% 46% 9,5%
Realymnasien 69% 31% 9%
Oberrealschulen 52% 41% 7%
Realschulen 49% 40% 11%
höhere Bürgerschulen 51% 37% 12%

Weber hebt den Anteil der Protestanten unter den Schülern an Realgymnasien und Oberrealschulen hervor. Vergleichen Sie diesen Anteil mit dem der Katholiken, während Sie die Bevölkerungsanteile im Auge behalten, und Sie erkennen, welche Unterschiede Kultur – etwa das Verhältnis zum geschriebenen Wort – zwischen den Angehörigen zweier Konfessionen einer Religion zeitigen kann.

Zweites Zitat:

Theodore Dalrymple, “Still Open. In Britain, an ethnic group’s social mobility depends on its own culture, not government largesse”:

A 460-page report by Britain’s official, Orwellian-sounding “National Equality Panel” reveals that economic inequality in Britain has increased despite the intense social engineering of the last decade that was ostensibly designed to reduce it. […] The report […] listed the average net household wealth in Britain by religious affiliation. The figures were as follows (I convert into American dollars):

Muslim: $68,000
None: $224,000
Hindu: $337,000
Christian: $361,000
Sikh: $371,000
Jewish: $684,000

Diese Aufstellung verdient Beachtung, weil sie drei Großgruppen nennt, deren Angehörige (zur Gänze oder zum Großteil) vom indischen Subkontinent kommen. Sie widerlegt jede rassistische Argumentation, weil sich der wirtschaftliche Erfolg dieser Gruppen sehr unterscheidet.

Drittes Zitat:

Gunnar Heinsohn, „Der Sozialstaat pumpt Geld und vermehrt die Armut“:

An sich müssten […] [die Vietnamesen (oftmals ethnische Chinesen), die die DDR als Arbeiter angeworben hat,] als benachteiligt gelten, weil die SED sie für das Verrichten einfachster Tätigkeiten holte. Überdies sind sie auch Opfer von Ausländerfeindlichkeit. Wenn deutsche Schulen tatsächlich gegen den Nachwuchs armer Einwanderer diskriminieren, sollten die jungen Unterschichtvietnamesen vor allem als Schulversager auffallen. Auch deshalb, weil viele ihrer Eltern immer noch nicht richtig Deutsch können. Doch im Land Brandenburg besuchen 74 Prozent der vietnamesischen Kinder ein Gymnasium. Damit sind sie erfolgreicher als die Kinder einheimischer Herkunft.

Eine schöne Alternative zum ewigen Sich-Unterdrückt-Fühlen.

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