Echokammern und Frieseninseln

Echokammern sind derzeit in wenn nicht aller, so doch vieler Munde. Eine bedeutende Anzahl von Zeitgenossen soll sich in solchen Räumen von Gleichgesinnten befinden, darin ihre eigenen Überzeugungen so lange bestätigt finden, bis sie sie für „normal“ und „allgemein-menschlich“ hält.

Natürlich lungern vor allem Rechtspopulisten und Schlimmere in solchen Echokammern herum. Das versteht sich. Das müssen wir kaum diskutieren.

Weit interessanter wirkt die Frage, ob die Echokammern mehr als ein untergeordnetes Problem bezeichnen. Schließlich ist ja nicht das Bestätigt-Werden in Kreisen von mehr oder minder vernünftigen, teils gut-, teils böswilligen Menschen, was brennende Sorge bereitet. Sondern das Driften des politischen Diskurses nach links, das Abtreiben der Bundesrepublik Deutschland in Gefilde, wo gewöhnliche bürgerlich-patriotische Auffassungen plötzlich als unmenschlich gelten.

Nicht die Echokammer ist der Punkt, sondern etwas, das der Trift ostfriesischer Inseln entspricht, die sich, wie allgemein bekannt, mit Wind und Strömung nach Osten bewegen – oder es wenigstens tun würden, wenn nicht massive Befestigungen sie daran hinderten. Keines Menschen Auge vermag eine solche Bewegung zu erblicken, aber ihr Ergebnis läßt sich deutlich erkennen. Die Sache wird durch das Schicksal des alten Westturm auf Wangerooge trefflich veranschaulicht. Dabei handelt es sich um eine Art Kirchturm mit integrierter Kirche. An der Wende zum 17. Jahrhundert im Südosten der Insel erbaut, stand der Turm am Beginn des 20. Jahrhunderts westnordwestlich der Insel im Wasser, bis er während des Ersten Weltkriegs gesprengt wurde. So weit hat sich die Insel unter ihm fortbewegt.

Siehe auch Henryk M. Broder zum Thema.

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