„Call for Papers“ des Monats

Unter dem schönen Titel „Politicizing Women’s Bodies in the Merkel Age“ erscheint auf einer Kommunikationsplattform für Geisteswissenschaftler:

Angela Merkel has been German chancellor for over a decade now; Germany also has a female defense minister. These facts do not mean, however, that sexism is gone from German politics, advertisement, everyday rhetoric and general assumptions about women, women’s roles, and women’s bodies. The aftermath of the attacks on women in Cologne on New Year’s Eve 2015 can serve as an example: Instead of a debate about antiquated rape laws, the incident was used as a political tool to push an anti-refugee and anti-immigrant agenda.

„Antiquated rape laws“?  Soll das heißen, daß sie zu drakonisch oder daß sie zu milde seien? Würde Letzeres nicht sehr schnell zu neuen Vorwürfen führen, wenn ethnische oder Rassenquoten von Strafgefangenen kulturmarxistisch ausgeschlachtet werden?

The politicization of women’s bodies became a racial issue as the infamous Focus and Süddeutsche Zeitung covers demonstrated. Here, the white bodies of German women were inappropriately touched by black hands who left their imprints on these bodies while the text focused on the women’s German identity and the migrant background of the assailants.

That’s probably racist.

In our panel we ask in what ways women’s bodies are coded and used as political weapons. We are interested in issues such as: women’s bodies that should reproduce (Herdprämie), women’s bodies that shouldn’t be touched by others (racialized discourse and anti-refugee rhetoric), women’s bodies that should or can be legislated (abortion), and women’s bodies that should be dressed (slut shaming, body shaming, dress codes) or rather undressed/unveiled (burqa/burqini).

Die Ablehnung der Burka und ähnlicher Stoffgefängnisse ist also auch rassistisch, wenigstens aber sexistisch, ja?

We also encourage contributions that take an opposite, empowering stance where women use their body to embody their resistance against sexism (in music, film, literature).

Zählt zu solcherlei empowering auch die frohe und durchweg erhebende Botschaft, daß der Mythos vom pay gap zwischen Frauen und Männern auf nachlässiger oder „dienlicher“ Datenerhebung beruhe? Wenn die Umstände berücksichtigt werden, daß Schwangerschaften ausschließlich bei Frauen aufzutreten pflegen und viele junge Mütter es vorziehen, Zeit für ihr Neugeborenes zu haben, daß Männer längere Arbeitstage akzeptieren, daß Frauen und Männer innerhalb mancher Berufe – z.B. des Arztes oder Lehrers – unterschiedliche und also auch unterschiedlich bezahlte Spezialisierungen anstreben, verschwindet die vermeintliche Diskriminierung. Thomas Sowell bemerkt:

As far back as 1971, single women in their thirties who had worked continuously since high school earned slightly more than men of the same description. As far back as 1969, academic women who had never married earned more than academic men who had never married.

Aber gut, das geht ja hier um nur um Geld, also die Objektivierung, Ausbeutung, Verdinglichung des Einzelnen durch den Markt, den Kapitalismus, die Globalisierung etc. pp. blabla, vulgo: wirtschaftliche Unabhängigkeit und ein selbständig-selbstbestimmtes, „bürgerliches“ Leben. Also weniger Existentiales als women’s bodies.

We’re Wide Open

Gerade einmal 18 Prozent der Deutschen sind bereit, ihr Land mit der Waffe in der Hand zu verteidigen (2015). Weniger als jeder Fünfte.

Die Bundeswehr ist allenfalls „bedingt“ einsatzbereit. Bei einer Stärke von 177.000 Mann. (Ich bitte, die reaktionäre Ausdrucksweise zu verzeihen.)

Unterdessen läßt sich erfahren, daß selbst unsere britischen Freunde an Wehrhaftigkeit eingebüßt haben. Der ehemalige Chef des Britischen Generalstabs, General Sir Richard Barrons, geht mit den britischen Streitkräften hart ins Gericht. Man verlasse sich auf den Schutz der Amerikaner, lege zu großen Wert auf teure Waffensysteme, die man sich bloß in viel zu kleinen Stückzahlen leisten könne. Dies mache verwundbar. Um das Vereinigte Königreich seiner Verteidigung durch F-35 zu entkleiden, müsse man die Maschinen gar nicht abschießen, so der General; es reiche die knapp vier Dutzend Piloten, die sie fliegen können, im Schlaf zu ermorden.

Fürbitten-Kitsch

Den vielleicht heikelsten Moment einer heiligen Messe bilden die Fürbitten. Kürzlich erst durfte man – während einer deutschsprachigen Meßfeier in Krakau, aber das tut wenig zur Sache – hören, daß die Wohlhabenden doch bitte das Teilen lernen möchten. Wie banal und dumm das ist – wo doch im europäischen Teil dessen, was wir „den Westen“ zu nennen pflegen, Steuerquoten herrschen, die spätestens dann, wenn die indirekten Steuern einschließlich Inflation mitgerechnet werden, vom Lohn, Gehalt oder Sold des durchschnittlichen oder auch etwas wohlhabenderen Mitteleuropäers gewaltige Stücke abzwacken. Die Guten müssen nicht das Teilen lernen, weder in Polen, noch in Deutschland, Frankreich oder Großbritannien. Das Teilen wird für sie von Staats wegen erledigt. Eher müßten sie das Behalten und Für-die-eigene-Familie-Nutzen lernen: nachhaltigen Wohlstand für sich selbst und ihre Kinder und Kindeskinder anzulegen. (Um Letzteres mag es der festeren Familienbindung wegen in Polen besser stehen als in den anderen genannten Staaten.)

Nun möchte mancher den Einwand führen, es gehe nicht um Verdienst und Einkünfte, sondern um Wohlstand. Dergleichen wirkt mehr als drollig. Wo kommt es denn her, das Geteilte oder noch zu Teilende? Fällt es wie Manna vom Himmel? Nein, es wird erwirtschaftet. Und da das Erwirtschaftete heftig besteuert wird, wird „großzügiges“ Teilen staatlicherseits vorgenommen, bevor an private Barmherzigkeit überhaupt gedacht werden kann. – Hier sehen wir den unter Intellektuellen recht beliebten Trick, den Wohlstand von dessen Genese zu isolieren, um sogleich zu mehr oder minder geistreichen Reflexion über Prinzipien voranzuschreiten, nach denen er „verteilt“ werden solle. Daß solche Kniffe wirtschaftliche Erträge schlankerhand konfiszieren und sozialisieren – vulgo: ihren Besitzern wegnehmen -, während im Vollgefühl der eigenen Güte, gegebenenfalls auch Christlichkeit gesprochen wird, verdient kopfschüttelnd-kritische Aufmerksamkeit. Barmherzigkeit aus anderer Leute Taschen?

Wie arg die Dinge in Deutschland liegen, zeigt eine Passage aus Paul Kirchhofs Der sanfte Verlust der Freiheit (Wien 2004). Darin trägt ein Kapitel doch tatsächlich die Überschrift: „Der Steuerpflichtige darf mindestens die Hälfte behalten“.  Wie Kirchhof auf die Hälfte kommt? Er beruft sich auf das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, in dem über das Eigentum festgestellt wird, es solle „zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ Aus diesem Passus wird das Wort „zugleich“ herausgegriffen und im Sinne eines Fifty-Fifty interpretiert:

Der Eigentumsgebrauch begründet „zugleich“, das heißt in gleicher Weise, zu gleichen Teilen, einen privatnützigen Ertrag und eine steuerliche Gemeinlast. (S.33)

Dies ist ein bemerkenswerter Gebrauch von „zugleich“. Die meisten Muttersprachler dürften über eine solche Verwendung überrascht sein; zwar wird sie bei Duden verzeichnet, aber lediglich als eine Möglichkeit unter vielen anderen, die sich weit größerer Verbreitung erfreuen – etwa im Sinne eines schlichten „auch“.  Außerdem, und das ist ein fundamentales Defizit, scheinen Staatsrechtler, die derart argumentieren, ihren Mandeville vergessen zu haben. Tröstlicherweise konstatiert Kirchhof:

Die Obergrenze in der Nähe hälftiger Teilung betrifft die Gesamtsteuerlast, muss also nach Addition von direkten und indirekten Steuern gewahrt bleiben.“ (S. 34)

Über die kulturellen Folgen dieser beständigen Konfiskation unterrichtet Wilhelm Röpke.

Eine weitere Kategorie von dämlichen Fürbitten ist mir in einer Gegend aufgestoßen, wo viele Berg- und Hüttenwerke betrieben werden; es möge den Kumpels und Hüttenarbeitern ein gerechter Lohn gezahlt werden. Was für ein schönes Beispiel für die Einbildung, etwas zu wissen, wo man nichts wissen kann. Wie hoch nämlich soll er denn sein, der „gerechte“ Lohn? Wer will so etwas bestimmen? Und nach welchen Maßgaben? Wie würde das (sehr wahrscheinlich) kaum übersehbare Geflecht von Subventionen, staatlichen Beteiligungen etc. dabei zu berücksichtigen sein? – Die genannte Fürbitte hat keinen feststellbaren Gehalt, sofern keinem bösen, bösen Marktradikalismus das Wort geredet werden soll.

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Thomas Sowell: Wie Intellektuelle Dauer-Arme schaffen. Ein Mißverständnis in Diskussionen über „soziale“ Gerechtigkeit

Auszüge aus Thomas Sowells Intellectuals and Society, in freier deutscher Übersetzung:

Die am stärksten sprudelnde Quelle von Mißverständnissen über Fragen der Einkommensverteilung – distributive oder auch „soziale“ Gerechtigkeit – ist die weitverbreitete Gewohnheit, statistische Kategorien mit Menschen aus Fleisch und Blut zu verwechseln.

In den Medien und der akademischen Welt wird sehr häufig behauptet, daß die Reichen nicht nur höhere Einkommen als die Armen hätten, sondern daß deren Einkünfte auch einen immer größeren Anteil am Volkseinkommen ausmachen würden. Das vergrößere die Unterschiede zwischen jenen am oberen Ende der Einkommensskala und denjenigen am unteren Ende. Solche Diagnosen basieren fast immer auf einer Vermischung dessen, was sich über die Jahre in so-und-so umrissenen statistischen Kategorien tut, mit dem, was über die Jahre im Leben von lebendigen Menschen wie Ihnen und mir geschieht.

In der Welt statistischer Kategorien trifft es zu, daß das Einkommen der oberen zwanzig Prozent und auch der Anteil, den das Einkommen der oberen zwanzig Prozent am gesamten Volkseinkommen ausmacht, über die Jahre gestiegen ist. Daher hat sich, was die Einkünfte angeht, die Schere zwischen dem oberen Fünftel und dem Rest der Gesellschaft weiter geöffnet.

Wenn man jedoch die Geschichte der Einkommen konkreter Individuen anhand ihrer Steuererklärungen nachvollzieht, ergibt sich ein anderes Bild. So sind die Einkünfte jener Menschen, die 1996 zum Fünftel der am wenigsten Verdienenden zählten, bis zum Jahr 2005 um einundneunzig Prozent gestiegen. Demgegenüber sind die Einkommen derjenigen Bürger, die 1996 zum Fünftel der Gesellschaft mit den höchsten Einkünften gehörten, nur um zehn Prozent gewachsen. Personen, welche zu den fünf Prozent oder sogar dem legendären einen Prozent an der Spitze gehören, mußten Einbußen ihrer Einkünfte hinnehmen.

Es mag wirken, als seien diese völlig unterschiedlichen Statistiken unvereinbar. Aber dem ist nicht so, weil Menschen aus Fleisch und Blut sich von einer statistischen Kategorie in eine andere hinüberbewegen können. Wenn bestimmte Steuerzahler, die zuerst unter den Geringverdienern waren, im Verlauf eines Jahrzehnts ihr Einkommen verdoppeln, verlassen sie das Fünftel derjenigen mit den geringsten Einkünften; und wenn bestimmte Personen, die hinsichtlich ihrer Einkünfte zu dem einen Prozent an der Spitze gehört haben, ein Viertel ihres Einkommens einbüßen, fallen sie aus dieser Kategorie heraus.

Daten bezüglich der vierhundert reichsten Amerikaner zwischen den Jahren 1992 und 2000 sind keine Daten über ein- und dieselben vierhundert Menschen.

Die meisten Menschen nämlich beginnen ihr Berufsleben in einfachen Jobs, die keine großartigen Einkünfte bringen. Über die Jahre aber erwerben die Menschen mehr und mehr Qualifikationen, sammeln mehr und mehr Fertigkeiten und Berufserfahrung. Das erhöht ihre Produktivität und hebt sie aus dem Fünftel der Menschen mit den geringsten Einkünften heraus in immer höhere Fünftel.

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Schönes Beispiel für die Wirkung von Anti-Fake-News-Gesetzen

Jennifer Wright in The New York Post:

If you don’t allow for investigative journalism, people die. There’s no clearer time to witness this fact than during 1918 when the Spanish Flu broke out.

The Spanish Flu was no ordinary illness. While most flu viruses attack the elderly and the very young, the Spanish Flu produced a reaction called a cytokine storm that essentially turned healthy immune systems against themselves. In under two years, it would kill somewhere between 20 million to 50 million people worldwide. But if you’ve never heard of it, don’t worry — that’s because journalists were afraid to report on it.

The plague broke out during WWI after a morale law had been put in place in 1917. The law dictated that journalists shouldn’t report anything negative about the US government that might demoralize the populace — for instance, that a disease was spreading through the populace that they had no idea how to combat. If you defied the law, you could go to jail for up to 20 years. The epidemic was called the Spanish Flu not because it originated there (it most likely came from Kansas) but because Spanish newspapers, who had no such laws, reported on it with great frequency as early as May 1918.

Und dann ist sie da, diese Mischung aus Verwunderung, ehrlichem Bedauern und satanischem Gelächter

Dann nämlich, wenn man beobachtet, wie ideologisch überhitzte Queckse von drei- oder viermal sieben Jahren, die „was mit Menschen machen“ wollen, und frisch geschiedene Damen in ihren späten Dreißigern oder frühen Vierzigern auf „sozialen“ Medien betreiben, was üblicherweise als Virtue Signalling bezeichnet wird, das Wiederkäuen abgestandener Mißverständnisse, Halb- und Viertelwahrheiten politisch-„sozialen“ Zuschnitts, ob mit Bild (als Meme) oder als farbunterlegter Text, außerdem das mechanische Für-Skandalös-Halten dieses oder jenes zumeist halbverstandenen Sachverhalts, von Personalien wie jener des unlängst gewählten(!) US-Präsidenten ganz abgesehen, um irgendeiner virtuellen Peer Group aus ähnlich umnachteten Seelen zu gefallen und sich dabei für originell und wagemutig – „befreit“ eben – zu halten, obschon vergleichbarer Unsinn schon hunderttausendfach in den logischen Raum geblasen worden ist und von jedem einigermaßen hellen Fleischergesellen oder Oberschüler, der ideologisch unverdorben geblieben ist, sonder Mühe widerlegt werden könnte. Regt sich unter Ihresgleichen kein echter, eigener, womöglich widerständiger Gedanke? Glauben unsere rotglühenden Jünglinge, glauben jene Frauenzimmer an das, was sie tun? Der Surrogat-Charakter ihrer Beschäftigung müßte ihnen doch aufgehen, das Abgeschmackte ihres Tuns, ihre eigene zugleich rührende, als auch ärgerliche Unbeholfenheit.