• |

    „Vom besonderen Unglück tüchtigerer Minderheiten. Eine Reaktualisierung des Werks von Helmut Schoeck“ jetzt im Open Access erhältlich

    Meine 2023 publizierte Monographie über den Soziologen und Neidforscher Helmut Schoeck steht jetzt im Open Access zur Verfügung. Sie finden den Link zum kostenlosen Download des Buches hier, im Repositorium „Opus“ der Schlesischen Universität in Katowice (Kattowitz), Polen.

    Natürlich ist die ‚traditionelle‘ Ausgabe, ein gebundenes Buch mit schönem Satz auf cremefarbenem Papier weiterhin erhältlich.

  • |

    König Charles III. in den USA

    Wenn man sich Clips vom Besuch König Charles III. in den Vereinigten Staaten von Amerika ansieht, seinen Ansprachen zuhört, wird deutlich, wie sehr es der bundesdeutschen Politik an Stil mangelt, weshalb denn auch vergleichbar erhebende Momente diesseits der Anglosphäre ausbleiben.

    Es gibt keinen Anlaß zu der Annahme, das werde sich in naher oder ferner Zukunft ändern. „Der kleinbürgerliche Charakter der bundesdeutschen Politikszene“, so Rolf Peter Sieferle, „ist eine allgemein bekannte und und vielbelächelte Angelegenheit.“ Er verdanke sich „der Tatsache, daß es in Deutschland keine kulturell geschlossene herrschende Klasse gibt“, sowie auch einem „Sozialdemokratismus“, dem „Differenzen aller Art für schlechthin unerträglich gelten“.

    (Zitate aus: Rolf Peter Sieferle, Finis Germania, Schnellroda 2017, S. 21, 23, 25.)

  • Maxime (III)

    Es gibt keine schwierigen Themen, bloß schwierige Gesprächspartner.

  • |

    Coda (zum vorigen Post)

    Nachdem der Hagere und der Üppige das Weinlokal verlassen hatten, klaubte der Kellner die paar Groschen Trinkgeldes vom Tisch, sein von graumeliertem Haar bedecktes Haupt kaum merklich schüttelnd und einen Fluch südslawischer Herkunft diskret am Gaumen zerdrückend. Einige Fetzen ihres Gesprächs hatte er aufgeschnappt. „Wenn die Religion die Antwort auf die Trostlosigkeit des Lebens ist“, sprach er langsam und fast ohne Akzent vor sich her, „was ist dann die Antwort auf die Trostlosigkeit der Religion?“

    (Bild: Claude Monet, Rue de la Bavole, Honfleur, um 1864, gemeinfrei.)

  • |

    Christentum, Marxismus und Wundersucht: ein Gespräch

    „Weißt Du, worin Christentum und Marxismus übereinstimmen?“, fragte der Hagere. „Beide versprechen Dir ewige Freude, ein Reich nichtendenwollender Glückseligkeit. Alles, was Du tun mußt, ist, Dich Deiner intellektuellen Redlichkeit zu entledigen. Zu glauben, was sich nicht denken läßt; jeden Bruch in der Logik als Nachweis wie auch immer gearteter Höherwertigkeit oder Tiefe hinzunehmen, ob als Mysterium oder Dialektik; das Haltlose als wohlgegründet, das Unverfügbare nicht bloß als das Verfügbare, sondern Dir schlechthin Wohlgesonnene anzusehen, als seiest Du Zweck des Alls. Christentum und Marxismus betrügen alle diejenigen, welche auf ein Wunder hoffen, gerade weil sie auf ein Wunder hoffen. Sie sind das Opium der Wundersüchtigen.“

    „Das ist gut, geistreich sogar“, versetzte der Üppige, „und eine Einsicht, die wir in einem freundlichen Gasthause begießen sollten, damit sie in der Wärme des roten Weins langsam zerfließt wie die Erinnerung an ein Übel, das Du oder ich vor vielen Jahren zu erdulden hatten.“

    Der Hagere stutzte und legte ein verbindliches Lächeln auf. „Es ist ja nicht so, daß ich glauben würde, mit meinem Argument das Christentum ad acta gelegt, Gott ertappt zu haben.“

    „Doch, das hast Du“, schloß der Üppige. „Ertappt und erledigt. Aber es macht ihm nichts aus.“

    (Bild: Claude Monet, L’église de Varengeville, effet matinal, (1882), gemeinfrei.)

  • |

    Halten Sie den Bären draußen, aber ärgern Sie ihn nicht! Einige Bemerkungen aus ostmitteleuropäischer Perspektive

    USA, NATO, EU, Rußland, China. Wer wie Beate Broßmann mit Siebenmeilenstiefeln durch Zeitgeschichte und Geopolitik stapft, dabei in geheime Hinterzimmer blickt und genau zu erkennen den Anspruch hat, was gespielt werde, muß notwendig atemlos wirken. Schrittmaß und Tempo lassen übersehen, was nicht übersehen werden sollte. Verliebt in den großen Wurf und in gewollter, ja verkrampfter Abgrenzung von den „ungebildeten und verantwortungslosen bis korrupten Politikern“ entsteht ein quasi-imperialer Blick; er fegt in ebenjener Manier über Ostmitteleuropa hinweg, welche der Historiker Prof. Andrzej Nowak kürzlich in Berlin beklagte – nämlich so, als sei Rußland ein (unmittelbarer) Nachbar Deutschlands und als gebe es in Ostmitteleuropa keine legitimen Interessen, die sich von jenen des „Westens“ oder der Russischen Föderation unterscheiden. Entsprechend wird auch der Blick auf den Ukraine-Krieg zu dem eines Fernsichtigen, welchem entscheidende Details entgehen.

    Ob, wie Broßmann ausführt, „Mainstream-Medien […] Geheimdienstpropaganda verbreiten“, um Kriegsbereitschaft zu schüren, oder aber dasjenige, was Illuminati, Freimaurer oder Glasbläser unters Volk gebracht sehen wollen, entzieht sich meiner Kenntnis. Das kann ja auch gar nicht anders sein, wenn jene Dunkelmänner ihr Handwerk verstehen. Gewiß hingegen scheint mir, daß es Gegenden gibt, in denen „eingeimpfte Russophobie“ überflüssig ist. Die Polen etwa bedürfen keiner derartigen Impfkampagne, weil sie zur Genüge eigene Erfahrungen mit den Russen bzw. Sowjets gemacht haben. Als Beispiele für diese Erfahrungen aus erster – und nicht selten blutiger – Hand lassen sich anführen: das von General Suvorov gebilligte Massaker in den östlich der Weichsel gelegenen Teilen Warschaus 1794 (Rzeź Pragi, zwischen 13.000 und 20.000 getötete Männer, Frauen und Kinder) während des Kościuszko-Aufstandes; die Russifizierungsversuche in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg; die Deportation ethnischer Polen nach Sibirien und Kasachstan im Anschluß an den Ribbentrop-Molotov-Pakt, der von deutschen Fortschrittlern und Rußland-Freunden gern ‚vergessen‘ wird; die Ermordung tausender polnischer Offiziere Polens bei Katyń und weiteren Ortschaften; die Einsetzung kommunistischer Satrapen in Polen nach 1945, einschließlich der Repressalien gegen Kämpfer der polnischen Heimatarmee (Armia Krajowa), den Klerus und sonstige Eliten, soweit sie die Vernichtungspolitik der deutschen Nationalsozialisten und der Bolschewisten bis Kriegsende überstanden hatten. Der Justizmord an Witold Pilecki bildet nur ein Beispiel für diese Greuel. 

    Mehr lesen „Halten Sie den Bären draußen, aber ärgern Sie ihn nicht! Einige Bemerkungen aus ostmitteleuropäischer Perspektive“
  • |

    „Was sollen wir lernen, wenn sich alles ändert?“

    So lautet die „Semesterfrage“ der Wiener Universität. Die Antwort ist einfach: Lernt dasjenige, was sich nicht ändert. Also dasjenige, was nicht den schnellebigen Moden des Geistes (und Ungeistes) unterliegt.

    Lernt nicht, daß man – wer ist dieses Man? – neuerdings „schnelllebig“ zu schreiben habe. Versucht lieber, die Prinzipien zu verstehen, die von solchen Moden unberührt bleiben, Prinzipien, die Euch erlauben, jene Moden als schiere Moden zu erkennen und je nach deren Charakter ernst- oder leichtzunehmen.

    Überspitzt könnte man sagen: An der Universität lernt man, was sich nicht ändert. Was sich ändert, lernt man an Hochschulen.

    Das ist nicht ganz wahr, weil auch die Prinzipien der Wissenschaft sich entwickeln, allerdings extrem, extreeem langsam, wie das Schicksal des Satzes vom ausgeschlossenen Dritten zeigt. Doch mag die Überspitzung als Faustregel taugen.

    Und ja: Hochschulen sind keine Universitäten, echte Universitäten nicht bloß Hochschulen. Verschulung trennt sie – unversöhnlich.

    (Beitragsbild: eigene Photographie.)