Enjoy the Decline!

Gern, zweifellos! Nur kommt man ja kaum noch hinterher. Bezüglich Chemnitz‘ und der von Dr. Hans-Georg Maaßen, dem Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, vorgebrachten Einschätzung der Vorgänge dort erleben wir gerade dasjenige, was Friedrich August von Hayek in seinem Buch Der Weg zur Knechtschaft als „Das Ende der Wahrheit“ (Kapitel 11) beschrieben hat.  Die Bundesrepublik wandelt sich zum Weltanschauungsstaat, und Weltanschauungsstaaten werden stets auf Sand gebaut.

Was haben wir also? Einen schönen Artikel von Dushan Wegner, der das Niveau sowohl der Staatskunst, als auch der, soweit sie offiziösen Charakters ist, staatsphilosophischen Reflexion in der Bundesrepublik Deutschland auf den Punkt bringt:

Der »Kampf gegen Rechts« ist das Schlangenöl linksgrüner Politik. Eingewachsene Fußnägel? Kampf gegen Rechts! Menstruationsbeschwerden? Kampf gegen Rechts? Bürger werden von Flüchtlingen getötet? Kampf gegen Rechts!

Dann haben wir Titus Gebel, der in einer äußerst prägnanten und dabei erschöpfenden Analyse nachweist, daß und weshalb die Linke keine Ruhe geben wird, bis alle Nicht-Linken im Gulag sitzen:

Die Linke will die Gesellschaft nicht spalten, sondern nach ihren Vorstellungen einen. Auf dem Weg dahin müssen freilich alle Andersdenkenden beseitigt werden. Selbstverständlich durch Überzeugungsarbeit, aber wenn das nicht fruchtet, sind auch alle anderen Mittel recht. Etwa Verleumdung, Bedrohung, Zerstörung der beruflichen und gesellschaftlichen Existenz, körperliche Gewalt.

Freie Gesellschaften werden immer gespalten sein. Im Optimalfalle in Abertausende Grüppchen, Vereine und Gemeinschaften – Edmund Burkes little Platoons. Wer Freiheit will, muß Uneinigkeit,“Gespaltenheit“, aushalten. (Es fällt mir auf die Nerven, wenn Historiker an der Gesellschaft des Deutschen Reiches unter den Hohenzollern bemängeln, sie sei „gespalten“ gewesen.  Das genau ist Freiheit, Ihr Weltenretter!)

Des Weiteren haben wir Roger Köppel, der mit jenem Überblick, den helvetische Freiheit und Ruhe schenken, zu bedenken gibt:

Das offizielle Deutschland hat verlernt, mit seinen Kritikern zu reden. Anstatt ihnen zuzuhören, verstampft man die Sachsen kollektiv als Rechtsextreme. […] Die Sachsen haben es satt, dass über ihre Köpfe hinwegregiert wird. Deshalb protestieren sie. Das ist kein Angriff auf die Demokratie, sondern ihre Verwirklichung.

Westfernsehen. Wie schön, daß es die Schweiz gibt.

Welche Opportunity Costs anfallen, wenn ein Staat auf ideologisch befeuerte oder sonstige Döneken aus ist, beschreibt David P. Goldman (Spengler):

[George  W.] Bush, supported by Senator McCain and the Republican mainstream, spent $5.6 trillion chasing the phantom of democracy in the Middle East, not to mention more than 6,700 American dead, more than 50,000 wounded and millions of lives disrupted. (George W. Bush gab, unterstützt von Senator [John] McCain und dem Großteil der Republikaner, 5,6 Billionen Dollar aus, um das Wahngebilde eines demokratischen Mittleren Ostens zu jagen, ganz zu schweigen von mehr als 6.700 gefallenen Amerikanern, mehr als 50.000 Verwunderten und Millionen von beeinträchtigten oder zerstörten Leben.)

Das ist traurig genug. Jetzt erst aber werden die Opportunity Costs, die verpaßten Gelegenheiten eingerechnet:

America had no military competitors of importance when George W. Bush took office in 2001, and an edge in high technology that made the American economy seem insuperable.  Since then:

  • China has taken America’s place as the leading exporter of high-tech equipment;
  • America faces credible military competition from China;
  • Real median household income hasn’t grown since 2000;
  • The civilian labor force participation rate has fallen from 67% in 2000 to 63% today;
  • Productivity growth has languished at 1% a year since the global financial crisis;
  • US federal debt has between 2000 and 2018 has doubled as a share of GDP;
  • The American economy became “cartelized, corrupt and anti-competitive,” dominated by a handful of tech monopolies who combined to crush competition.

(Die USA hatten keine ernstzunehmenden militärischen Konkurrenten, als George W. Bush 2001 Präsident wurde, und eine Überlegenheit in Sachen HighTech, die kaum zu toppen schien. Seit damals:

  • hat China die Vereinigten Staaten als führender Exporteur von HighTech-Produkten abgelöst;
  • ist China zu einem ernstzunehmenden militärischen Herausforderer aufgestiegen;
  • stagniert das mittlere Realeinkommen von US-Haushalten;
  • ist der Anteil der Berufs- und Erwerbstätigen an der erwerbsfähigen Bevölkerung von 67% im Jahre 2000 auf 63% gefallen;
  • ist die Produktivität seit der Wirtschaftskrise um kaum mehr als ein Prozent pro Jahr gestiegen;
  • hat sich das nationale Haushaltsdefizit gegenüber dem Bruttoinlandsprodukt verdoppelt,
  • ist die US-amerikanische Wirtschaft korrupt und wettbewerbsfeindlich geworden, von Kartellen bestimmt und beherrscht von einigen wenigen HighTech-Monopolisten, die sich verbündet haben, um die Konkurrenz auszuschalten.)

Bevor sich jetzt jemand aufregt, das sei ja alles ziemlich imperialistisch, sei bemerkt, daß Opportunity Costs natürlich auch im Falle kaum verteidigungsfähiger Sozialstaaten anfallen, die sich behaglich in der Pax americana eingerichtet haben.