Da in den Wäldern (silvae)…

…Peter Rühmkorfs „Über das Volksvermögen“ erwähnt wird, erinnere ich mich plötzlich, wie an der Georgia Augusta eine Lehrveranstaltung für Erstsemester, deren Teilnehmer verschreckt und stocksteif darauf bedacht waren, sich nur ja keine Blöße zu geben, durch eine junge Frau ländlicher Anmutung, die noch vor wenigen Wochen eine Schulbank in, sagen wir, Winsen an der Luhe gedrückt haben mochte, gerettet – ja: gerettet – wurde; die Gute nämlich nahm, während sie ein vernichtend langweiliges Referat über Rühmkorf zu ertragen verurteilt war, den herumgehenden Band „Über das Volksvermögen“ in die Hand, öffnete ihn an beliebiger Stelle und begann, in den dort gesammelten und durchaus saftig-defitigen Reimereien der sogenannt einfachen Leute zu lesen. (Die ‚einfachen‘ Leute sind nur selten einfach, aber das nur am Rande.) Wie dem auch sei; die Zoten taten das Ihre, und die sympathische Studentin begann hemmungs-, aber auch lautlos – sie wollte ja nicht stören – zu lachen, schlug eine Seite um, prustete annähernd stumm – eine Meisterleistung der Körperbeherrschung – los, um auch dasjenige, was ihrer dort harrte, angemessen zu rezipieren. Ihr Antlitz bekam die Farbe eines reifen Pfirsichs; ihre hellen Augen füllten Lachtränen, ihr Körper vibrierte unter dem Versuch, sich zu beherrschen. Schließlich übertrug sich ihre Freude auf uns, wiewohl wir einige Zeit kopfschüttelnd für naiv oder sonstwie unangemessen gehalten hatten (vielleicht auch nur unsicher gewesen waren), was sie – oder was sich mit ihr – tat; und selbst der melancholische Dozent vergaß, woran er gelitten hatte. Er strahlte sie und uns an.

Das also war sie, die Wirkung der Literatur.