Opferkult und -nutzen

Wertvoll auch dann, wenn man – wie Theodore Dalymple – Einwände gegen Ayn Rands Philosophie führen würde. Zur gerne übersehenen und deshalb besonders wichtigen Rolle freiwilliger Zuwendung von Gönnern, wo der Aufstieg von “ganz unten” nach “ganz oben” in Rede steht, vgl. Luigi Zingales, “Who killed Horatio Alger?“.

Götz Alys neuere Holocaust-Forschung und ihre Rezeption. Eine kritische Bestandsaufnahme (Auszug)

Götz Aly ist einer der bekanntesten deutschen Historiker, die über die Entrechtung, Ausplünderung und Ermordung der europäischen Juden forschen. Der vorliegende Aufsatz beschäftigt sich mit einigen jüngeren Veröffentlichungen Alys, angefangen mit der 2005 publizierten Studie Hitlers Volksstaat, die aufzeigt, welche Vorteile der gewöhnliche Volksgenosse von ‚Vater Staat‘ unter den Nationalsozialisten erwarten durfte. Sodann werden die Bücher Warum die Deutschen? Warum die Juden? (2011) und Europa gegen die Juden. 1880-1933 (2017) besprochen. Beide Werke fragen nach den Vorbedingungen des Holocaust, soweit Moral und Ethik, sozialpolitische und solche Maßnahmen in Rede stehen, die der Schaffung möglichst homogener Nationalstaaten verpflichtet sind (vgl. Aly, Europa, 2017, S. 375-376). Während das 2011 erschienene Buch sich auf den deutschen Sprachraum konzentriert, erweitert die 2017 publizierte Studie den Blick auf verschiedene Staaten Mittel- und Ostmitteleuropas.

Die drei genannten Buchveröffentlichungen bilden ein Forschungsprogramm im Sinne Imre Lakatos’, dessen „harter Kern“ (Lakatos, Methodologie, 1982, S. 47-49) sich wie folgt formulieren ließe: Aly fragt nach den greif- oder zählbaren Vorteilen, in deren Genuß eine Mehrheitsbevölkerung kommt, wenn der Staat eine Minderheit (oder mehrere Minderheiten) drangsaliert.

Aly folgend, erklären diese Vorteile die erstaunliche Loyalität, welche die meisten Deutschen der nationalsozialistischen Führung entgegenbrachten, sie die massenhaften Verbrechen, von denen sie wußten oder ahnten, tolerieren ließen, sofern sie nicht selbst an den Greueltaten teilhatten. Alys Ansatz erlaubt ihm zudem, gewisse Sachzwänge der Hitlerschen „Gefälligkeitsdiktatur“, „jederzeit mehrheitsfähigen Zustimmungsdiktatur“ (Aly, Volksstaat, 2006, S. 36, 333) mit ihren vielfältigen Steuervergünstigungen, finanziellen und Sachleistungen für Geringverdiener, die keiner der als ‚minderwertig‘ klassifizierten Bevölkerungsgruppen angehören, auszumachen und als historischen Erklärungsansatz zu formulieren (ebd., S. 37, 51, 68, 70-71, 141-158, 325, 392). Dazu zählt die Unausweichlichkeit immer weiterer Eroberungen (ebd., S. 355), um auch die dortige Bevölkerung ihrer Lebensmittel und -grundlagen berauben zu können, der Raubmord an den europäischen Juden und das geplante Verhungern-Lassen von Millionen Menschen im Osten des Kontinents.

Alys Bücher pflegen teils heftige Reaktionen hervorzurufen. Unter diesen Reaktionen sollen im Folgenden besonders diejenigen interessieren, welche sich außerhalb der eigentlichen Fachdiskussion bewegen: jene also, die in den Feuilletons der großen Zeitungen und Zeitschriften und in sonstigen Stellungnahmen im weiteren Sinne politischer Natur zu finden sind. Denn Alys Forschungsprogramm hat einen Nebeneffekt. Es läßt nicht nur auf die verbrecherische „Gefälligkeitsdiktatur“ der NSDAP, sondern auf sämtliche Gemeinwesen anwenden, über die konstatiert werden darf, daß der fürsorgliche Staat seine Sozial- und sonstigen Programme auf Kosten einer Minderheit oder Fremder finanziere, während die Mehrheit seiner Bürger nicht danach frage – oder lieber nicht danach fragen wolle –, wo der Segen herkommt. Der „harte Kern“ von Alys Forschungsprogramm, der eine gewinnbringende Analyse und Kritik des nationalen Sozialismus im Deutschen Reich zwischen 1933 und 1945 ermöglicht, ermöglicht ebenfalls die Analyse und Kritik anderer Ausprägungen des Sozialismus oder Nationalismus. Dieser Umstand erklärt die Heftigkeit einiger der unten diskutierten Reaktionen auf Alys Werk, wie der Historiker im Nachwort zur Taschenbuchausgabe von Hitlers Volksstaat hinsichtlich des Sozialismus selbst vermutet (Aly, Volksstaat, 2006, 371-372; zum Verhältnis beider Ideologien Aly, Europa, 2017, S. 350).

Mehr in: Studia Niemcoznawcze / Studien zur Deutschkunde (Universität Warschau), Bd. LXII (2018), S. 89-101. Volltext als PDF verfügbar (“SN62”).

Dennis Prager: The Left Ruins Everything

Das hätte ich kaum schöner zusammenfassen können. Wenn Sie “everything” zu allgemein finden – man soll ja nicht verallgemeinern, wie Ihnen gewisse Lehrkräfte zu verallgemeinern beigebracht haben (oder dergleichen zumindest versuchten) -, sei sogleich spezifiziert: die Universität, bildende Kunst, Literatur, spätabendliche Unterhaltungsshows im Fernsehen, die Religion, die Beziehungen zwischen US-Amerikanern unterschiedlicher Hautfarbe, die Institution der Pfadfinder (Boy Scouts) und das Selbstverhältnis von Jungs und Mädchen.

Schauen Sie sich das knapp sechsminütige Video bitte hier oder hier an.

(Beitragsbild: Screenshot aus dem Video.)

Reich wie Rockefeller, aber warum?

Ganz einfach! John D. Rockefeller ist so reich geworden, weil er seinen Kunden diente. Er hat ihnen das Leben erleichtert und, was die täglich nutzbare Zeit angeht, im Wortsinne verlängert. Thomas Sowell:

„Only after Rockefeller’s innovations in production and distribution cut the costs of kerosene to a fraction of what it had been before, were ordinary people able to afford to stay up for hours after dark, using kerosene lamps.“

(Erst Rockefellers Innovationen in Produktion und Transport reduzierten den Preis von Petroleum derart, daß nun auch einfache Leute es sich leisten konnten, nach Einbruch der Dunkelheit viele Stunden wachzubleiben und im Licht der Petroleumlampen zu nutzen.)

Die Moral von der Geschicht’:

[T]his was a process in which wealth was created, not a process by some could get rich only by making others poorer. […] Contrary to “robber baron” rhetoric, Rockefeller did not reduce the wealth of society but added to it, his own fortune being a share in that additional wealth […].

(Es handelt sich dabei um Vorgänge, durch die Reichtum entsteht, nicht um Vorgänge, durch die einige Menschen reicher werden, indem sie andere Menschen ärmer machen. […] Im Gegensatz zu Anschauungen, die Rockefeller als “Räuberbaron” verächtlich machen, hat sein Tun den Wohlstand der Gesellschaft nicht reduziert, sondern erhöht, und sein eigenes Vermögen stellt eine Teilmenge dieses zusätzlich geschaffenen Wohlstandes dar.)

Kein Nullsummenspiel eben.

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Thomas Sowell, Intellectuals and Society. Revised and Enlarged Edition, New York 2011, S. 41, 68; Thomas Sowell, Wealth, Poverty and Politics. An International Perspective, New York: 2015, S. 215. Bild: John D. Rockefeller (1839-1937) um 1900 (Ausschnitt), gemeinfrei.

Nicholas J. Freitas über den Zweiten Verfassungszusatz

Eine hörenswerte Rede im House of Delegates des US-Bundesstaats Virginia. Beachten Sie das große Szepter vor der Bank des Sprechers.

Herr Freitas streift nicht nur das Recht auf Waffenbesitz, sondern auch andere Punkte, z.B. die Vorliebe für krude Ad-hominem-Argumente auf der Linken und deren Implikationen für dasjenige, was Debattenkultur zu nennen kaum noch möglich wirkt. (Sie werden kaum glauben, welche Freude es mir bereitet hat, das Attribut “krude” zu setzen.)

Dwinger lesen

Studia Neofilologiczne, 14 (2018), S. 9-31 (PDF)

Der gegenwärtige Aufsatz beschäftigt sich mit ausgewählten Zügen des Schaffens von Edwin Erich Dwinger (1898-1981), einem heute weitgehend vergessenen, da politisch desavouierten Erfolgsautor der zwanziger bis vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, der bis hinein in die Bundesrepublik Deutschland publizierte. Dabei werden vor allem Fragen des Gehalts ins Auge gefaßt, formale Aspekte eher am Rande behandelt. Die Darstellung besitzt Längsschnitt-Charakter; sie springt zwischen verschiedenen Werken Dwingers, die zwischen 1929 und 1936 erschienen sind, hin und her, um diesen oder jenen Standpunkt ideologischer Art herauszuarbeiten. Ihr unterliegt die erkenntnisleitende Annahme, daß eine weltanschauliche Nähe zwischen den positiv gezeichneten Figuren Dwingers und ihrem Schöpfer bestehe.[1] Der anklagende, ‚kämpferische‘ Charakter der im Folgenden diskutierten Bücher rechtfertigt eine solche Hypothese, die unter anderen Umständen mehr als problematisch wäre.

Die Beschäftigung mit Dwingers Werk lohnt, weil sie interessante Perspektiven auf die Literatur über den Ersten Weltkrieg – wie unten in einem Vergleich mit Remarques Im Westen nichts Neues durchgeführt – und gewinnbringende Einblicke mentalitätsgeschichtlicher Art erlaubt. Letzteres gilt besonders dort, wo die unterschiedlichen Spielformen des deutschen Antiliberalismus (Kollektivismus, in stärkster Ausprägung Totalitarismus; auch der Symptome Antiamerikanismus und Anglophobie) erforscht werden.[2] Eine Reinwaschung Dwingers wird nicht beabsichtigt.

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Enjoy the Decline!

Gern, zweifellos! Nur kommt man ja kaum noch hinterher. Bezüglich Chemnitz’ und der von Dr. Hans-Georg Maaßen, dem Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, vorgebrachten Einschätzung der Vorgänge dort erleben wir gerade dasjenige, was Friedrich August von Hayek in seinem Buch Der Weg zur Knechtschaft als “Das Ende der Wahrheit” (Kapitel 11) beschrieben hat.  Die Bundesrepublik wandelt sich zum Weltanschauungsstaat, und Weltanschauungsstaaten werden stets auf Sand gebaut.

Was haben wir also? Einen schönen Artikel von Dushan Wegner, der das Niveau sowohl der Staatskunst, als auch der, soweit sie offiziösen Charakters ist, staatsphilosophischen Reflexion in der Bundesrepublik Deutschland auf den Punkt bringt:

Der »Kampf gegen Rechts« ist das Schlangenöl linksgrüner Politik. Eingewachsene Fußnägel? Kampf gegen Rechts! Menstruationsbeschwerden? Kampf gegen Rechts? Bürger werden von Flüchtlingen getötet? Kampf gegen Rechts!

Dann haben wir Titus Gebel, der in einer äußerst prägnanten und dabei erschöpfenden Analyse nachweist, daß und weshalb die Linke keine Ruhe geben wird, bis alle Nicht-Linken im Gulag sitzen:

Die Linke will die Gesellschaft nicht spalten, sondern nach ihren Vorstellungen einen. Auf dem Weg dahin müssen freilich alle Andersdenkenden beseitigt werden. Selbstverständlich durch Überzeugungsarbeit, aber wenn das nicht fruchtet, sind auch alle anderen Mittel recht. Etwa Verleumdung, Bedrohung, Zerstörung der beruflichen und gesellschaftlichen Existenz, körperliche Gewalt.

Freie Gesellschaften werden immer gespalten sein. Im Optimalfalle in Abertausende Grüppchen, Vereine und Gemeinschaften – Edmund Burkes little Platoons. Wer Freiheit will, muß Uneinigkeit,”Gespaltenheit”, aushalten. (Es fällt mir auf die Nerven, wenn Historiker an der Gesellschaft des Deutschen Reiches unter den Hohenzollern bemängeln, sie sei “gespalten” gewesen.  Das genau ist Freiheit, Ihr Weltenretter!)

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