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Antirationalismus

Noch einmal zu David Hume und der Universität von Edinburgh

Schöner Artikel auf The American Mind, unterzeichnet von drei Hume-Kennern:

We see who these cancellers are and what kind of university they are building.

Hume’s works and name should not be soiled by association with the libraries at the University of Edinburgh.  We call for their removal from the library and transfer to a genuine institution of higher learning.

Nor should Hume’s great student and friend, Adam Smith, be tainted by association with the anti-intellectualism displayed by the place calling itself the University of Edinburgh.  We call for the removal of the special collection of Adam Smith from the Edinburgh library and removal to a place where the works will be respected, like Hillsdale College.

(Wir erkennen, wer diese Austilger sind und welche Art Universität sie schaffen möchten.

Der gute Name und das Werk David Humes sollte nicht durch eine Verbindung mit den Bibliotheken der Universität von Edinburgh befleckte werden. Wir rufen dazu auf, sie aus der dortigen Bibliothek zu entfernen und an eine Anstalt höherer Bildung zu schaffen, die den Namen verdient.

Ebensowenig sollte Humes großer Schüler und Freund Adam Smith durch eine Verbindung mit dem Antirationalismus jener Institution befleckt werden, die sich als Universität von Edinburgh bezeichnet. Wir rufen dazu auf, die Privatbibliothek von Adam Smith aus der Edinburgher Bibliothek zu enfernen und an einen Ort zu schaffen, wo diese Bücher respektiert werden, z.B. Hillsdale College.)

Unterzeichnet von Nicholas Capaldi, John W. Danford und Scott Yenor, die übrigens darauf hinweisen, daß Hume schon einmal von der Universität in Edinburgh geschaßt worden sei. Zu seinen Lebzeiten, weil er allzu „skeptisch“ gegenüber der (damals) christlichen Ausrichtung jener Hochschule gewesen sei.

Interessant, daß sie gerade Hillsdale College empfehlen. Hier mag die Frage staatlicher Förderung – oder besser: der Abwesenheit staatlicher Förderung eine Rolle spielen. Die Hochschule unterstreicht, keine staatlichen Mittel anzunehmen; das macht sie und die Menschen, die an ihr wirken, weit weniger cancellable.

Wenn Sie mögen, hören Sie doch die Rede von Verfassungsrichter Clarence Thomas während der feierlichen Eröffnung der 2019 fertiggestellten Kirche auf dem Campus von Hillsdale. Thomas beginnt ab etwa der 44. Minute zu sprechen (Text der Rede):

Womit denn auch der Skeptiker Hume und eine christlich ausgerichtete Institution höherer Bildung zusammengebracht würden. Bürgerliche Gegenkultur!

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Antirationalismus

Walter E. Williams: Was ist mit dem „White Privilege“ der US-Nigerianer?

Walter E. Williams warnt vor nachlässig-irreführenden Redeweisen:

How can one tell if a person has white privilege? One imagines that the academic elite, who coined the term, refer to whites of a certain socioeconomic status such as living in the suburbs with the privilege of high-income amenities. But here is a question: Do Nigerians in the U.S. have white privilege? As reported by the New York Post this summer, 17% of all Nigerians in this country hold master’s degrees, 4% hold a doctorate and 37% hold a bachelor’s degree, according to the U.S. Census Bureau’s 2006 American Community Survey. By contrast, 19% of whites have a bachelor’s degree, 8% have master’s degrees and 1% have doctorates.

(Wie kann man feststellen, ob eine Person über „White Privilege“ verfügt? Man darf annehmen, daß die akademischen Eliten, die diesen Begriff geprägt haben, dabei an den gesellschaftlich-wirtschaftlichen Status einer Person dachten, z.B. daran, daß diese Person mit allerlei Annehmlichkeiten, die ein hohes Einkommen erlaubt, in gediegenen Vororten lebt. Aber hier tut sich eine Frage auf: Haben nigerianischstämmige Bürger in den USA „White Privilege“? Wie die New York Post diesen Sommer meldete, verfügen laut dem offiziellen US-Zensus im Jahr 2006 17% aller Nigerianer in unserem Land über einen Master-Titel, 4% haben einen Doktortitel und 37% einen Bachelor-Titel. Unter den weißen US-Amerikanern haben bloß 19% einen Bachelor-Titel, 8% einen Master- und 1% einen Doktortitel.)

Den ganzen Text von Walter E. Williams finden Sie hier, eine sehenswerte Film-Biographie über Williams u.d.T. „Suffer No Fools“ hier.

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Antirationalismus Political Correctness Stil im Alltag

David Hume Tower, gecancelled

Die Universität von Edinburgh wird eines ihrer Gebäude, den David Hume Tower umbenennen, weil der Philosoph Rassist gewesen sei. Das schien mir etwa dreißig Sekunden lang schlimm, bis ich gesehen habe, wie der so-gut-wie ehemalige David Hume Tower aussieht: ein Beton-Ungetüm (wie es leider viele gibt), mit dem assoziiert zu werden der große Philosoph nun wirklich nicht verdient hatte.

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Antirationalismus Egalitarismus Religionssurrogate

Universität ohne Gedankenfreiheit

Jakobiner sind nie zufrieden. So trägt auch der „Kampf gegen Rechts“ immer reichere Frucht: Kollektivisten und Fortschrittler, die de facto Rückschrittler sind, weil sie sich als die Hohepriester einer Gleichheits- und Ökoreligion gerieren, maßen sich an zu bestimmen, wer an oder auch nur in der weiteren Umgebung von deutschen Universitäten sprechen darf. Die Ereignisse um Bernd Lucke und Thomas de Maizière sind bekannt. Nun hat es das Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE) getroffen. Eine internationale Konferenz, die, hochkarätig besetzt, nächste Woche in einem Münchner Hotel und Konferenzzentrum stattfinden sollte, wurde kurzfristig abgesagt. Aufgrund des Drucks von „Aktivisten“.

Unterdessen fragt eine Politikerin, die im Abgeordnetenhaus des Landes Berlin sitzt, wie es denn komme, daß aufgrund des „Mietendeckels“ kaum noch Neubauten in unserer glücklosen Hauptstadt begonnen würden. Nun, dafür dürften ebenjene Grundmechanismen der Markt- und Unternehmerwirtschaft (vulgo „Kapitalismus“) verantwortlich sein, von denen ein gewisser Anteil heutiger Erwachsener auf ihren noch unzureichend durchideologisierten Mittelschulen gehört haben dürfte. So schließt sich der Kreis. Wie ja auch das Jakobinertum nicht gerade eine Sternstunde von Staatsphilosophie und -kunst darstellt. Und, sofern lange genug am Ruder, jeden Staat fest und zuversichtlich auf den Weg Venezuelas führt – bis ganz nach unten.

Was tun? Vermögen bilden, kleine private Hochschulen aufbauen, an denen sich in Ruhe und Würde studieren und lehren läßt, dabei gesalzene Aufnahmegebühren als Filter einsetzen. Damit das Ambiente stimmt, außerhalb und innerhalb. Klöster für freie Geister schaffen, als praktische Benedikt-Option. Konfessionelle Bindung muß dabei nicht stören. Und wenn zu studieren ein „Recht“ sein soll – schon solche Verwechslungen zeigen, weshalb die Dinge den Bach heruntergehen -, nennen wir eben dasjenige, was auf den neuen kleinen und privaten Hochschulen geschehen soll, hübsch altertümlich: sich bilden.

Außerdem wäre es sicher nützlich, sich zu verdeutlichen: Wer „gegen Rechts“ kämpft, muß deshalb kein Kämpfer für die Freiheit sein. Nicht bloß der „rechte“ Totalitarismus ist gefährlich, sondern auch der „linke“ Totalitarismus (und alle weiteren seiner Formen), und wer ehrlichen Herzens auf diesen Umstand hinweist, relativiert in keiner Weise die abscheulichen Verbrechen der deutschen Nationalsozialisten. In diesem Lichte erscheint die Formel „Kampf gegen Rechts“ als eine Verkürzung, die manches Übel hervorzurufen geeignet ist. Ob jene Verkürzung versehentlich unterlaufen oder als Element im weitesten Sinne marxistischer Propaganda gewollt sei, möge hier undiskutiert bleiben.

Was in der Bundesrepublik Deutschland wie in jedem anderen entwickelten Land, dessen Bürger in demokratisch verfaßter Freiheit leben wollen, tatsächlich auf dem Spiele steht, das bezeichnet nicht das Gegensatzpaar „nicht-rechts vs. rechts“, sondern es bezeichnen andere Gegensatzpaare, nämlich: „individuelle Freiheit vs. Kollektivismus“, „Freiheit von staatlicher Bevormundung vs. Paternalismus“, „Markt- und Unternehmerwirtschaft vs. Sozialismus“, „bürgerliche Lebensauffassung und Arbeitshaltung vs. Antirationalismus und politische Romantik“.

*

Zu den „Klöstern für freie Geister“ vgl. Rainer Kolk, Literarische Gruppenbildung: Am Beispiel des George-Kreises 1890–1945, Tübingen 1998, S. 238. Die Sache geht auf Friedrich Nietzsche und Stefan George zurück, ist „aber“ weniger qualmig, als es scheinen mag. Beitragsbild: Pixabay.

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Antirationalismus Ökologismus Religionssurrogate

Global Warming 2019

Wie man hört, sind im Westen der USA – eine Woche nach Herbstanfang – drei Fuß Schnee gefallen. Und das nicht in einer kleinen Ecke, sondern in den Staaten Kalifornien, Oregon, Washington, Montana, Idaho, Nevada und Utah. Da wurde irgendjemand nicht gebrieft.

Drei Fuß entsprechen 91,44 cm.

(Bild: Jason Gillman, Pixabay.)

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Antiliberalismus Antirationalismus Stil im Alltag Video

Dennis Prager: The Left Ruins Everything

Das hätte ich kaum schöner zusammenfassen können. Wenn Sie „everything“ zu allgemein finden – man soll ja nicht verallgemeinern, wie Ihnen gewisse Lehrkräfte zu verallgemeinern beigebracht haben (oder dergleichen zumindest versuchten) -, sei sogleich spezifiziert: die Universität, bildende Kunst, Literatur, spätabendliche Unterhaltungsshows im Fernsehen, die Religion, die Beziehungen zwischen US-Amerikanern unterschiedlicher Hautfarbe, die Institution der Pfadfinder (Boy Scouts) und das Selbstverhältnis von Jungs und Mädchen.

Schauen Sie sich das knapp sechsminütige Video bitte hier oder hier an.

(Beitragsbild: Screenshot aus dem Video.)

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Antirationalismus Dekadenz Geschichte Political Correctness

Imperialismus immer schlecht?

Eine der großen Ironien der Weltgeschichte, schreibt Thomas Sowell in seiner Studie Conquests and Cultures,  bestehe darin, daß mit Großbritannien die führende Sklavenhandel treibende Nation zur führenden Bekämpferin der Sklaverei wurde.

Wie Sowell in seiner überaus dicht geschriebenen Abhandlung ausführt, nahm der Widerstand gegen den Besitz von Sklaven und den Sklavenhandel seinen Ursprung im England und den englischen Kolonien des achtzehnten Jahrhunderts.  Im Jahre 1808 entschied das britische Parlament mit großer Mehrheit gegen den internationalen Sklavenhandel.

By then, ever-widening opposition to slavery led to petitions from all parts of the country arriving in London with hundreds of thousands of signatures from people of the humblest ranks to those of the titled nobility. This was unprecedented in an era before mass communications or mass transportation.

(Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die beständig anwachsende Gegnerschaft gegen den Sklavenhandel dazu geführt, daß aus allen Teilen des Landes Petitionen mit Hunderttausenden von Unterschriften in London eintrafen; sie waren von Menschen der niedrigsten Stände und von Vertretern des Hochadels unterzeichnet worden. Dies war in Zeiten ohne moderne Kommunikations- und Transportmittel etwas gänzlich Neues.) (Sowell, Conquests and Cultures, New York 1999, S. 92.)

Großbritannien wandte enorme Summen auf, um die Besitzer von Sklaven finanziell zu entschädigen, soweit sie sich auf dem Boden des britischen Imperiums befanden. Darüber hinaus übte man Druck auf andere Nationen aus:

Through political influence, economic bribes, and military threats, Britain was able to gain the acquiescence of many – though not all – nations to its boarding of their vessels on the high seas to search for slaves. Where slaves were found, they were freed and the vessels confiscated.

(Durch politischen Einflußnahme, Bestechung und militärische Drohungen erlangte Großbritannien die Erlaubnis der meisten – nicht aller – anderen Nationen, ihre Schiffe auf hoher See zu entern und nach Sklaven zu durchsuchen. Wurden Sklaven gefunden, wurden sie befreit und das Schiff beschlagnahmt.) (Ebd., S. 93)

Mit der Zeit schlossen sich die Franzosen und, nach dem Bürgerkrieg, auch die US-Amerikaner dieser Praxis an.

Eventually, the anti-slavery crusade took root in the moral consciousness of European civilization as a whole, even in despotic countries such as czarist Russia, which stamped out the slave trade in Central Asia.

(Schließlich übte der Kreuzzug gegen die Sklaverei einen bedeutenden Einfluß auf das moralische Bewußtsein der europäischen Zivilisation als Ganzes aus – selbst in einem despotischen Land wie dem Rußland der Zaren, das dem Sklavenhandel in Zentralasien ein Ende bereitete.) (Ebd.)

Ach, diese bösen Fakten! Wie schön ist es demgegenüber,  im Vollgefühl der eigenen Gerechtig- und Ahnungslosigkeit seiner sicher zu sein, daß die westliche Zivilisation auf den Müllhaufen der Geschichte gehöre.

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Antirationalismus Nationalökonomie Religionssurrogate Stil im Alltag

Manfred Haferburg: „Eine Dose Ravioli kann Sie das Leben kosten.“

Wenn die mit erzdeutscher Konsequenz durchgepreßte Energiewende zum Ausfall der gesamten Stromversorgung führt, kann’s haarig werden. Manfred Haferburg über Leben und Überleben im und nach dem Blackout – hier.

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Antiliberalismus Antirationalismus

„Haß“


Who defines „hate?“ Those you would least want to entrust with that power.

Jordan B. Peterson

(Wer bestimmt, was „Haß“ sei? Diejenigen, von denen Sie als letztes wünschen würden, daß sie mit dieser Macht versehen werden.)

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Antirationalismus Stil im Alltag

Jordan Peterson auf Deutsch: wie’s scheint, ein großes Unglück

Liest man die Rezensionen der deutschsprachigen Version von Jordan Petersons 12 Rules for Life bei Amazon, gewinnt man den Eindruck, da sei etwas schiefgelaufen:

Die Übersetzung verzerrt das ganze Werk dermaßen, dass es sich hier vielmehr um eine Fälschung als um eine Übersetzung handelt. Also: bitte einstampfen, neu übersetzen und dann neu veröffentlichen.

Oder:

Absolut schreckliche Übersetzung. An manchen Stellen liest es sich mehr wie eine Parodie des Original.

Oder:

Die Übersetzung ist eine Frechheit, die eigentlich juristische Konsequenzen zeitigen müsste!

Sehr empfehlenswert wirkt der ausführliche  Kommentar, den Bernhard Lassahn zur deutschen Übersetzung des Petersonschen Meisterwerks – denn das ist es – verfaßt hat. Lassahn macht die Sünden der beiden Peterson-Übersetzer an einem längeren Beispiel dingfest.

Es ist kaum zu glauben, was Lassahn berichtet. Und dies auch dann, wenn man zugesteht, daß der vordergründig plaudernd wirkende, doch sehr durchgeformte, zuweilen sehr knappe und stets auf den jeweils erwünschten Lern-Effekt hin kalibrierte Stil Petersons schwer in eine andere Sprache zu bringen sei.

Doch heißt das nicht, daß es unmöglich sei. Man braucht bloß zweierlei zu tun, nämlich (1) das Original zu achten, z.B. die Kapitelüberschrift

Set your house in perfect order before you criticize the world

nicht banalisierend verballhornen als

Räum erst einmal dein Zimmer auf, ehe du die Welt kritisierst.

Jeder nur halbwegs mit dem Englischen Vertraute dürfte zustimmen, daß mit dieser Übersetzung alle moralische und metaphysische (metaethische, anthropologische) Wucht verpufft, die im Unterton des Original geborgen lag. Von dem flapsigen Einschub „erst einmal“ ganz zu schweigen.