Opferkult und -nutzen

Wertvoll auch dann, wenn man – wie Theodore Dalymple – Einwände gegen Ayn Rands Philosophie führen würde. Zur gerne übersehenen und deshalb besonders wichtigen Rolle freiwilliger Zuwendung von Gönnern, wo der Aufstieg von “ganz unten” nach “ganz oben” in Rede steht, vgl. Luigi Zingales, “Who killed Horatio Alger?“.

Problemsucht

Vorgestern im Netz geschaut, ob es brauchbare Arbeitsblätter gibt, mit denen sich das Zusammenfassen von Sachtexten üben läßt. Der erste Vorschlag, den ich angeklickt habe, basierte auf einem Text zum Thema Internetsucht, der zweite Vorschlag bezog sich auf einen Text über Schadstoffe in Nahrungsmitteln. Den dritten Vorschlag – ertrinkende Eisbären? Rechtsextremismus in den neuen Bundesländern? Mobbing in Kindertagesstätten? – habe ich nicht mehr angeklickt.

Unsere Schuld

Es ist alles unsere Schuld. Denn wir haben die Krawatte weggelassen. Offene Hemden finden wir bequemer. Dann haben wir begonnen, nicht mehr “Guten Tag” zu sagen, sondern “Tag auch”.

Alles unsere Schuld. Denn nach den Krawatten sind die Anzüge verschwunden. Chinos und Sakko geht ja auch. Und die Chinos kann man selber waschen. Das finden wir bequemer, wie es ja auch reicht, “Hi” oder “Hallo” zu sagen. Schließlich sind wir alle gleich. Dann haben wir unterlassen, unser Latein und Griechisch zu pflegen. Die Übersetzungen sind okay. Das paßt schon. Einer Dame in den Mantel helfen? Überholt.

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Imperialismus immer schlecht?

Eine der großen Ironien der Weltgeschichte, schreibt Thomas Sowell in seiner Studie Conquests and Cultures,  bestehe darin, daß mit Großbritannien die führende Sklavenhandel treibende Nation zur führenden Bekämpferin der Sklaverei wurde.

Wie Sowell in seiner überaus dicht geschriebenen Abhandlung ausführt, nahm der Widerstand gegen den Besitz von Sklaven und den Sklavenhandel seinen Ursprung im England und den englischen Kolonien des achtzehnten Jahrhunderts.  Im Jahre 1808 entschied das britische Parlament mit großer Mehrheit gegen den internationalen Sklavenhandel.

By then, ever-widening opposition to slavery led to petitions from all parts of the country arriving in London with hundreds of thousands of signatures from people of the humblest ranks to those of the titled nobility. This was unprecedented in an era before mass communications or mass transportation.

(Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die beständig anwachsende Gegnerschaft gegen den Sklavenhandel dazu geführt, daß aus allen Teilen des Landes Petitionen mit Hunderttausenden von Unterschriften in London eintrafen; sie waren von Menschen der niedrigsten Stände und von Vertretern des Hochadels unterzeichnet worden. Dies war in Zeiten ohne moderne Kommunikations- und Transportmittel etwas gänzlich Neues.) (Sowell, Conquests and Cultures, New York 1999, S. 92.)

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Drei junge Frauen und ein Mädchen aus Skandinavien

Der Wahn unserer Zeit zeigt sich in den Schicksalen dreier junger Frauen und eines Mädchens aus Skandinavien, und das in beiderlei Hinsicht: als Sinnestäuschung und moralische Abirrung.

Da sind die beiden Norwegerinnen, denen in Marokko der Kopf abgeschnitten worden ist. Die Nachricht über die Bluttat kam nur wenige Tage nach dem Friede-Freude-Migration-Gipfel im selben Land. Die Mörder dokumentieren und feiern ihre Tat mit einem Video, das einem das Blut in den Adern gefrieren läßt.

Dann denken wir an die jugendliche Predigerin auf der Synode der Weltklima-Kirche in Katowice und schütteln das Haupt. Gab es da keinen Mann in der Familie, der gesagt hat: “Nun mach mal halblang!”?

Schließlich kommt das vor rund achtzehn Monaten in Stockholm während einer Djihadi-Attacke überfahrene Mädchen in den Sinn. Es ist keine zwölf Jahre alt geworden.

Religionssurrogate gleichen Religionen darin, daß sie Opfer fordern.

Enjoy the Decline!

Gern, zweifellos! Nur kommt man ja kaum noch hinterher. Bezüglich Chemnitz’ und der von Dr. Hans-Georg Maaßen, dem Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz, vorgebrachten Einschätzung der Vorgänge dort erleben wir gerade dasjenige, was Friedrich August von Hayek in seinem Buch Der Weg zur Knechtschaft als “Das Ende der Wahrheit” (Kapitel 11) beschrieben hat.  Die Bundesrepublik wandelt sich zum Weltanschauungsstaat, und Weltanschauungsstaaten werden stets auf Sand gebaut.

Was haben wir also? Einen schönen Artikel von Dushan Wegner, der das Niveau sowohl der Staatskunst, als auch der, soweit sie offiziösen Charakters ist, staatsphilosophischen Reflexion in der Bundesrepublik Deutschland auf den Punkt bringt:

Der »Kampf gegen Rechts« ist das Schlangenöl linksgrüner Politik. Eingewachsene Fußnägel? Kampf gegen Rechts! Menstruationsbeschwerden? Kampf gegen Rechts? Bürger werden von Flüchtlingen getötet? Kampf gegen Rechts!

Dann haben wir Titus Gebel, der in einer äußerst prägnanten und dabei erschöpfenden Analyse nachweist, daß und weshalb die Linke keine Ruhe geben wird, bis alle Nicht-Linken im Gulag sitzen:

Die Linke will die Gesellschaft nicht spalten, sondern nach ihren Vorstellungen einen. Auf dem Weg dahin müssen freilich alle Andersdenkenden beseitigt werden. Selbstverständlich durch Überzeugungsarbeit, aber wenn das nicht fruchtet, sind auch alle anderen Mittel recht. Etwa Verleumdung, Bedrohung, Zerstörung der beruflichen und gesellschaftlichen Existenz, körperliche Gewalt.

Freie Gesellschaften werden immer gespalten sein. Im Optimalfalle in Abertausende Grüppchen, Vereine und Gemeinschaften – Edmund Burkes little Platoons. Wer Freiheit will, muß Uneinigkeit,”Gespaltenheit”, aushalten. (Es fällt mir auf die Nerven, wenn Historiker an der Gesellschaft des Deutschen Reiches unter den Hohenzollern bemängeln, sie sei “gespalten” gewesen.  Das genau ist Freiheit, Ihr Weltenretter!)

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Postfaktische Mathematik

Schönes Video über eine Welt, in der die regulative Idee der Wahrheit keine Rolle mehr spielt und die “Selbstachtung” des Individuums das Wichtigste ist. Die Pointe am Ende ist nicht lediglich versöhnlich; sie weist auf den Performativen Selbstwiderspruch hin, in dem sich Relativisten gleich welcher Couleur zu verfangen pflegen.

Gewissen sein vs. Gewissen haben

Zu Beginn seines Dutzende wertvoller Einsichten schenkenden Buches Unser Kampf. 1968 beruft sich Götz Aly auf Odo Marquard, der meinte, weite Teile der bundesdeutschen Jugend seien 1968 aus dem Gewissen-Haben in ein Gewissen-Sein geflohen, und erläutert:

Der Druck zur Selbstentlastung verstärkte sich seit der Mitte der 1950er Jahre; zum einen angesichts des Wohlstands, der das Lebensniveau der Opfer der deutschen Rassenkriege rasch überflügelte, zum anderen angesichts der nicht länger zu verschweigenden Einzelheiten des schier grenzenlosen Mordens. (S. XVII)

Das Gewissen-Sein bietet einen kommoden Ausweg.

Wer Gewissen ist, braucht sich nicht in dem Maße mit den Verbrechen seiner Väter und Großväter auseinandersetzen wie seine Altersgenossen, die auf dergleichen Selbstveredelung verzichten. Denn er ist ja, wenigstens für und vor sich selbst, etwas ganz anderes, geläutert und gerettet durch eigene Anstrengung oder den Segen einer revolutionären Lehre, die ihn herausreißt aus dem Elend der Väter und Großväter und durchtrennt, was ihn an die Vorfahren und deren Verfehlungen gebunden hat. So kann er belehren und bekehren – im Besitze der Wahrheit, im Vollgefühl der eigenen Güte. (Letzteres in beiderlei Sinne des Wortes.)

Es dürfte nicht fehlgehen, wer hier etwas erblickt, das in der gegenwärtigen Diskussion um die illegale Einwanderung (“Flüchtlingskrise”) eine Rolle spielt. Die das Gewissen sind (oder es zu sein glauben), geben den Ton an; sie machen das leuchtende, hellere Deutschland aus. Die ein Gewissen haben, weil sie z.B. an ihre Kinder denken, die in der “neuen” Bundesrepublik leben werden müssen, sind diejenigen, welche die Erklärung 2018 unterzeichnen.

Der Lärm und die kaum glaublichen Anwürfe gegen diese ihrem Inhalt nach schlichte und selbstverständliche Erklärung entlarven sich selbst. Freilich zeigt sich (auch) hier nichts Neues. Aly erinnert sich an 1968:

Als “Faschisten” galten damals alle, die sich dem revolutionären Gedankengut versperrten oder gar dagegen angingen. (S. 92)

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