Ein höflicher junger Mann…

…aus Deutschland, den ich da kürzlich in Krakau getroffen habe.  Doch hat er alle Üblichkeiten des sozialstaatlich-ökologischen Konsenses so brav repetiert, daß ich an Stanisław Jerzy Lec‘ Aphorismus denken mußte: „Czasem psy merdają łańcuchem.“ (Das ist: Manchmal wedeln die Hunde mit ihrer Kette.)

*

Quelle:  Stanisław Jerzy Lec; Myśli nieuczesane, Warschau 2017, S. 198.

Jan Kochanowski, Pieśń świętojańska, Panna IV in deutscher Übersetzung

Wem denn Blümlein abgerissen
Hab ich / und den Krantz bereitet?
Dir und keinem andern / Lieber /
Der allein lieb meinem Hertzen.

Trag auf Deinem schönen Haupte
Dieses Blühn aus meinen Händen /
Trag auch mich allein im Hertzen /
Denk auch / nur an mich allein.

Keine Weile ist verflossen /
Die ich Deiner nicht gesonnen;
Weder Schlaf noch Fron erlösen
Mich / die wachliegt oder tagträumt.

Diese Hoffnung trag ich / dasz Du
In mir Etwas wollest sehen /
Dies mein Sehnen nicht bespöttelst /
Es mit Deinem mir vergöltest.

Desz zu schweigen / musz ich scheitern /
Was mich zagen macht im Hertzen:
Alles hat hier scharfe Augen /
Weisz sehr wohl um das / was schön ist.

HErre, Schwestern, das ich bitte /
Laszt die Qual mich nicht erfahren /
Dasz ein Nachbarsmädchen wildre/
Wo ich selber heg und weine.

Ach, ein jedes andres Trübsal
Will ich fromm und fest ertragen /
Doch wer hohnspricht meiner Liebe /
Bleibt ein Greuel meiner Seele.

Aus dem Lied zu St. Johannis von Jan Kochanowski (1530-1584), Lied des Fräuleins IV. Übersetzung: Karsten Dahlmanns. Bildquelle; zum polnischen Original geht es hier.

Leszek Kołakowski über die politische Kultur der Bundesrepublik Deutschland im zweiten Jahrzehnt des einundzwanzigsten Jahrhunderts

Aus den Dreizehn Fabeln aus dem Königreich Lailonien für groß und klein (13 bajek z królestwa Lailonii dla dużych i małych), im polnischen Original zuerst 1963 erschienen:

Über die Stadt Ruru herrschte der gestrenge Gott Maior. Der Gott Maior hatte ein eigenes Gesetz erlassen, dem sich alle fügen mußten. In den Verordnungen des Gottes hieß es unter anderem:

I. Man muß wissen, daß alles, was für die Menschen unten, für Gott oben ist, und – umgekehrt – was für die Menschen oben, für Gott unten ist.

II. Wer verneint, daß für Gott alles unten ist, was für die Menschen oben ist –  und umgekehrt -, wird in die Hölle gestoßen. Wer aber nach dem Gesetz handelt, kommt in den Himmel.

III. Wer auf Erden nicht irrt, der kann sich auch nach dem Tode nicht irren, aber wer auf Erden irrt, der kann sich auch nach dem Tode nicht bessern.

Der Gott Maior erließ noch andere Verordnungen, doch diese drei waren die wichtigsten. Sie wurden allen Menschen verkündet, damit später niemand zu seiner Entschuldigung sagen könne, er habe nichts davon gewußt. Fast alle, die zuhörten, wiederholten laut, daß alles, was für sie oben, für Gott unten sei und umgekehrt; schließlich wollte keiner in die Hölle kommen. Übrigens galt es, den Wortlaut dieser Gesetze möglichst häufig zu wiederholen, um solcherart zu zeigen, daß man ihn kenne, und um sich bei Gott in Erinnerung zu bringen. Wenn also zum Beispiel ein Lehrer den Kindern in der Schule erklärte, daß die Bäche zu Tal fließen, fügte er sogleich hinzu: „Für Gott aber fließen sie den Berg hinauf.“ […] Deutete einer auf einen Vogel, der in die Höhe flog, hatte er zugleich zu betonen, für Gott fliege der Vogel nach unten usw. Mit der Zeit gewöhnten sich die Menschen an diese Art zu sprechen, ja, sie waren sogar zufrieden damit, denn je öfter sie dies taten, desto sicherer waren sie, daß der Gott Maior sie nach ihrem Tode zu sich nähme.

(Zitiert nach der – meinerseits veränderten – Übersetzung von Mikołaj Dutsch; in: Leszek Kolakowski, Der Himmelsschlüssel, München 1992, S. 163-164. Dutsch‘ Übertragung wurde anhand des Originals durchgesehen und überarbeitet. Original: Leszek Kołakowski, 13 bajek z królestwa Lailonii dla dużych i małych oraz inne bajki, Warszawa 1998, S. 47-48.)

Zbigniew Herbert: Mój ojciec (in deutscher Übersetzung)

Mój ojciec bardzo lubił France’a
i palił Przedni Macedoński
w niebieskich chmurach aromatu
smakował uśmiech w wargach wąskich
i wtedy w tych odległych czasach
gdy pochylony siedział z książką
mówiłem: ojciec jest Sindbadem
i jest mu z nami czasem gorzko

przeto odjeżdżał Na dywanie
na czterech wiatrach Po atlasach
biegliśmy za nim zatroskani
a on się gubił W końcu wracał
zdejmował zapach kładł pantofle
znów chrobot kluczy po kieszeniach
i dni jak krople ciężkie krople
i czas przemija lecz nie zmienia

na święta raz firanki zdjęto
przez szybę wyszedł i nie wrócił
nie wiem czy oczy przymknął z żalu
czy głowy ku nam nie odwrócił
raz w zagranicznych ilustracjach
widziałem jego fotografię
gubernatorem jest na wyspie
gdzie palmy są i liberalizm

*

Mein Vater liebte Anatole France
und rauchte Selbstgedrehte
in den himmelfarbenen Duft-Wolken
schmeckte ihm sein Lächeln auf den schmalen Lippen
und damals in diesen weit zurückliegenden Zeiten
als er gebeugt saß über einem Buch
sagte ich: Vater ist ein Sindbad
und mit uns ist es ihm manchmal bitter

weshalb er aufbrach Auf dem Teppich
auf allen Winden Durch die Atlanten
rannten wir ihm nach voller Sorge
doch er blieb verloren Am Ende kehrte er zurück
legte den Duft ab schlüpfte in die Pantoffeln
aufs neue das Geräusch der Schlüssel in den Taschen
und Tage wie Tropfen schwere Tropfen
und die Zeit vergeht aber sie verändert nicht

einmal vor den Feiertagen nahmen wir die Gardine ab
da ging er durch die Scheibe hinaus und kehrte nicht wieder
ich weiß nicht ob er bedauernd die Augen halb schloß
ob er sein Haupt nicht uns zuwandte
einmal in einer ausländischen Illustrierten
habe ich sein Bildnis gesehen
er ist Gouverneur auf einer Insel
wo es Palmen gibt und Liberalismus

***

Nach: Anna Rajca, Jerzy Polanicki, Poezja polska od średniowiecza do współczesności, Warszawa 2001, S. 561.

Wer, des Polnischen nicht mächtig, den Klang des Originals hören möchte, findet hier eine Lesung durch den Schauspieler Marek Kondrat. Eine vertonte Version hier.

Konstanty Ildefons Gałczyński: Rozmowa liryczna (in deutscher Übersetzung)

– Powiedz mi, jak mnie kochasz.
– Powiem.
– Więc?
– Kocham cie w słońcu. I przy blasku świec.
Kocham cię w kapeluszu i w berecie.
W wielkim wietrze na szosie, i na koncercie.
W bzach i w brzozach, i w malinach, i w klonach.
I gdy śpisz. I gdy pracujesz skupiona.
I gdy jajko roztłukujesz ładnie
nawet wtedy, gdy ci łyżka spadnie.
W taksówce. I w samochodzie. Bez wyjątku.
I na końcu ulicy. I na początku.
I gdy włosy grzebieniem rozdzielisz.
W niebezpieczeństwie. I na karuzeli.
W morzu. W górach. W kaloszach. I boso.
Dzisiaj. Wczoraj. I jutro. Dniem i nocą.
I wiosną, kiedy jaskółka przylata.
– A latem jak mnie kochasz?
– Jak treść lata.
– A jesienią, gdy chmurki i humorki?
– Nawet wtedy, gdy gubisz parasolki.
– A gdy zima posrebrzy ramy okien?
– Zimą kocham cię jak wesoły ogień.
Blisko przy twoim sercu. Koło niego.
A za oknami śnieg. Wrony na śniegu.

*

„Sag mir, wie Du mich liebst.“
„Werd’ ich.“
„Also?“
„Ich liebe Dich in der Sonne. Und im Licht der Kerzen.
Ich liebe Dich im Hut und in der Baskenmütze;
Im starken Wind auf der Straße und im Konzertsaal,
In Fliedern und unter Birken, in Himbeersträuchern und unter Ahornbäumen.
Und wenn Du schläfst. Und wenn Du konzentriert arbeitest.
Und wenn Du Dein Frühstücksei so schön aufschlägst
Sogar dann, wenn Dir der Löffel herunterfällt.
Im Taxi. Und im Auto. Ohne Ausnahme.
Und am Anfang der Straße. Und an deren Ende.
Und wenn Du Deine Haare mit dem Kamm teilst.
In der Gefahr. Und auf dem Karussell.
Im Meer. In den Bergen. In Pantoffeln. Und barfuß.
Heute. Gestern. Und morgen. Tags und in der Nacht.
Und im Frühling, wenn die Schwalben kommen.“
„Und sommers, wie liebst Du mich da?“
„Wie das Wesen des Sommers.“
„Und im Herbst, wenn es Schauer und Launen gibt?“
„Sogar dann, wenn Du den Schirm verbaselst.“
„Und wenn der Winter die Fensterrahmen silbern überzieht?“
„Im Winter liebe ich Dich wie ein lustiges Feuerchen.
Ganz nah an Deinem Herzen. Bei ihm.
Und draußen vor den Fenstern Schnee, Krähen auf ihm.“

***

Nach: Anna Rajca, Jerzy Polanicki, Poezja polska od średniowiecza do współczesności, Warszawa 2001, S. 447.

Zbigniew Herbert, Rozmyślania Pana Cogito o odkupieniu

Zbigniew Herbert

Zbigniew Herberts „Herrn Cogitos Gedanken über die Erlösung“ gefallen mir sehr.

Nie powinien przysyłać syna

zbyt wielu widziało
przebite dłonie syna
jego zwykłą skórę

zapisane to było
aby nas pojednać
najgorszym pojednaniem

zbyt wiele nozdrzy
chłonęło z lubością
zapach jego strachu

nie wolno schodzić
nisko
bratać się krwią

nie powinien przysyłać syna
lepiej było królować
w barokowym pałacu z marmurowych chmur

na tronie przerażenia
z berłem śmierci

„Er hätte den Sohn nicht zu uns senden sollen/zu Viele sahen/die durchschlagenen Hände des Sohnes/seine gewöhnliche Haut/ […] zu viele Nüstern/sogen mit Vergnügen ein/den Geruch seiner Angst/ […] er hätte den Sohn nicht zu uns senden sollen/besser wäre es wie ein König zu herrschen/in einem üppigen Palast aus marmornen Wolken/auf dem Thron des Entsetzens/mit dem Szepter des Todes“

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