Und dann ist sie da, diese Mischung aus Verwunderung, ehrlichem Bedauern und satanischem Gelächter

Dann nämlich, wenn man beobachtet, wie ideologisch überhitzte Queckse von drei- oder viermal sieben Jahren, die „was mit Menschen machen“ wollen, und frisch geschiedene Damen in ihren späten Dreißigern oder frühen Vierzigern auf „sozialen“ Medien betreiben, was üblicherweise als Virtue Signalling bezeichnet wird, das Wiederkäuen abgestandener Mißverständnisse, Halb- und Viertelwahrheiten politisch-„sozialen“ Zuschnitts, ob mit Bild (als Meme) oder als farbunterlegter Text, außerdem das mechanische Für-Skandalös-Halten dieses oder jenes zumeist halbverstandenen Sachverhalts, von Personalien wie jener des unlängst gewählten(!) US-Präsidenten ganz abgesehen, um irgendeiner virtuellen Peer Group aus ähnlich umnachteten Seelen zu gefallen und sich dabei für originell und wagemutig – „befreit“ eben – zu halten, obschon vergleichbarer Unsinn schon hunderttausendfach in den logischen Raum geblasen worden ist und von jedem einigermaßen hellen Fleischergesellen oder Oberschüler, der ideologisch unverdorben geblieben ist, sonder Mühe widerlegt werden könnte. Regt sich unter Ihresgleichen kein echter, eigener, womöglich widerständiger Gedanke? Glauben unsere rotglühenden Jünglinge, glauben jene Frauenzimmer an das, was sie tun? Der Surrogat-Charakter ihrer Beschäftigung müßte ihnen doch aufgehen, das Abgeschmackte ihres Tuns, ihre eigene zugleich rührende, als auch ärgerliche Unbeholfenheit.

Nafri vs. Nazi

In dem Kindergarten, der einstmals die Bundesrepublik Deutschland war, wird neuerdings über die Bezeichnung „Nafri“ gestritten. Sie sei rassistisch, wenigstens aber pauschalisierend.

Ferner wurde kritisiert, daß die Polizei „südländisch“ anmutende Personen überprüft, auch festgehalten habe. Man dürfe sich nicht am Erscheinungsbild von Menschen orientieren; auch das sei rassistisch, entmenschlichend, wenigstens aber pauschalisierend.

So also sieht er aus, der Lohn dafür, daß es der deutschen Polizei an Silvester mit viel Aufwand gelungen ist, sexuelle Übergriffe und sonstige Gewalttaten vor dem Dom in Köln und an anderen prominenten Orten zu verhindern. (Zu einschlägigen Übergriffen kam es anderswo in Deutschland und auch Österreich.)

Wunderbar: Tust du nix, bist du Versager. Tust du was – und mit Erfolg -, bist du Rassist. Das sind die (bislang) schönsten Blüten gutmenschlicher Dialektik.

Daß zuweilen der Eindruck von Rassismus entstehen kann, wo andere Größen wirken – kulturelle Unterschiede etwa, das Verhältnis zu Bildung und Arbeit, Achtung vor Frauen -, versteht sich dabei von selbst. Eben deshalb muß man es immer und immer wieder unterstreichen.

Und: Das ewige Pauschalisieren gegen Pauschalisierungen langweilt. Man sollte sich eingestehen, daß Vorurteile durchaus vernünftig sein können. Es kommt lediglich darauf an, sie fallibel zu halten – d.h. sie zu revidieren, wo die Erfahrungswirklichkeit dazu Anlaß gibt.

Darüber hinaus gilt: Seit wann haben denn all die Weltverbesserer, ob Linke oder Grüne, ein Problem mit Pauschalisierungen? Wer beschimpft Andersmeinende als „Populisten“, erhebt sich über deren „Stammtischparolen“, nennt besorgte Bürger der Bundesrepublik „Nazis“? Von „Pack“ ganz zu schweigen.

Tu quoque, Gutmenschle!

— Richtig, auch ich pauschalisiere. Doch habe ich eben nichts gegen Pauschalisierungen, jedenfalls nicht dort, wo keine empirischen Gründe gegen sie sprechen (s.o.).

Aha, und natürlich pauschalisiert ebenfalls so mancher Großschriftsteller und Dichter, an dessen Lektüre sich unsere grünen und sonstigen Bessermenschen mit strahlenden Augen erinnern. Zur bête noire gereicht nur allzuoft der „Bürger“. Jedenfalls dort, wo er nicht als Volltrottel belächelt wird. Wer daran zweifelt, möge mal wieder in seiner Hesse-Ausgabe blättern.

Pauschalisierung allerorten.

Ups, das war schon wieder eine.

Höchste Zeit also, erwachsen zu werden.

 

Jack Wheeler: The Secret to the Suicidal Liberal Mind

George Grosz, Café

Es mag kein Zufall sein, daß mir kürzlich ein schon vor dreizehn Jahren erschienener Artikel von Jack Wheeler in den Sinn gekommen ist. Er beschreibt die Angst vor dem Neid – und, als ‚Lösung‘, die Selbstschädigung, ja -vernichtung  des Beneideten. Natürlich behandelt der Text die USA; doch das läßt sich übertragen. Ganz nebenher leistet er eine schöne Einführung in das Werk von Helmut Schoeck.

The self-loathing of the white American liberal is as well-established and documented as Einstein’s Special Relativity theorems. A typical example is writer Susan Sontag’s denouncement of the white race as „the cancer of human history.“ A racist hatred of one’s own race – auto-racism – has become a defining characteristic of the liberal mind. Yet the source of such suicidal guilt remains a mystery. Clearly understanding what disables liberals from wanting to defend their culture is today a mortal necessity – an absolute requirement if America is to be preserved and protected from Moslem terrorists and other folk desirous of her demise.

[…] Anthropologists observe that for most primitive and traditional cultures, „every individual lives in constant fear of the magical aggression of others … there is only one explanation for unforeseen events: the envious black magic of another villager.“ Reflect for a moment on the extent to which tribespeople in a tribal, „primitive“ culture suffuse their lives with superstition, witchcraft, sorcery, voodoo, „black magic,“ the „evil eye.“ The world for them is teeming with demons, spirits, ghosts and gods, all of whom are malicious and dangerous — in a word, envious. A great many, if not the majority, of tribal or traditional cultures, whether in the Amazon, Africa or the Pacific, have no concept of natural death. Death is always murder.

weiterlesen →