Res publica

„Wir sind die mit dem schönen Leben“

Es kann nicht schaden, an diese herrliche Passage aus einem etwas älteren Artikel Marco Gallinas zu erinnern:

Der Konservatismus ist mehr als nur preußischer Drill. […] Konservatismus bedeutet, nicht nur einen Palast zu bauen, sondern auch, ihn schön einzurichten. Nicht nur einen Gott zu haben, sondern auch an ihn zu glauben. Nicht nur von Kontinuität zu reden, sondern sie zu leben. Ein Glas Rotwein über eine politische Diskussion zu stellen; einen Caravaggio über den Zeitgeist; die Familie über den Individualismus. Wir sind die mit dem schönen Leben.

Australien: Strafkolonie 2.0?

Unglaublich, was sich in Australien tut, wenn man diesen Berichten (eins, zwei, drei, vier) glauben darf. Und erschütternd, sobald man sich vergegenwärtigt, daß so etwas in einem Land der Anglosphäre möglich ist.

Der verdeckte Lehrplan II

An polnischen Schulen – und nicht nur dort – wirkt eine Vereinigung, die nach Eigenauskunft das Ziel verfolgt, Englischlehrer durch einen großen Wettbewerb dabei zu unterstützen, ihre Schüler zum Erlernen des Insel-Idioms zu bringen: The Big Challenge. Die Sache nahm vor reichlich zwei Jahrzehnten in Frankreich ihren Anfang. Inzwischen beteiligten sich europaweit, so die einschlägige Website, über 630.000 Schülerinnen und Schüler daran.

Schön und gut. Wenn nur gewisse Aspekte der löblichen Unternehmung inzwischen nicht zum bestätigenden Exempel für Robert Conquests Zweites Gesetz der Politik geworden wären, das da lautet:

Any organization not explicitly and constitutionally right-wing will sooner or later become left-wing.

(Jede Organisation, die nicht dezidiert und der Verfassung nach liberal-konservativ ist, wird früher oder später zum Sprachrohr linker, also sozialistischer und/oder ökologistischer Ideen.)

Was ich meine? Mir ist ein Kalender in die Hand gefallen, den The Big Challenge unters beschulte Volk bringen läßt. Er heißt „The Wildlife of Australia 2021-22“ und zeigt einige schöne Bilder, die dort geschossen wurden. Am Fuß jeder Bild- und Kalenderseite aber gibt es zumeist dreizeilige Propaganda-Sprüche, die mit dem jeweiligen Bild rein gar nichts zu tun haben, etwa:

Put on an extra layer of clothing instead of turning up the heating. It will save money, energy and the earth’s natural resources. Plus, everyone loves a Christmas jumper.

(Zieh Dir etwas über, statt die Heizung hochzudrehen. Das spart Geld und Energie, und es hilft, die Rohstoffe der Erde zu bewahren. Außerdem liebt jeder einen Weihnachtspullover.)

Oder:

In the USA alone, people use 500 Million plastic straws every day! Many of these straws end up in the oceans, killing sea animals who mistake them for food.

(Allein in den Vereinigten Staaten werden jeden Tag 500 Mio. Plastikstrohhalme verbraucht. Viele dieser Strohhalme gelangen in die Ozeane, wo Tiere an ihnen sterben, weil sie sie für Nahrung gehalten haben.)

Man solle stattdessen Bambus- oder Metallstrohhalme gebrauchen.

Cute. Während europäische Schülerinnen und Schüler durch solche Kalendersprüche auf Linie gebracht werden (sollen), entstehen anderswo neue Kohle- und Sonstwiewaskraftwerke, deren Emissionen derartiges Virtue Signalling in dicken braungrauen Schwaden verschwinden lassen. Darin eben besteht der Unterschied zwischen privatem Religionssurrogat, Ihrer ganz privaten Öko-Erlösung, und geschichtlichen Kräften makroökonomischen Zuschnitts. Von den rein machtpolitischen Konsequenzen dessen, was hier geschieht, ganz zu schweigen.

Zudem wäre zu eruieren, zu welchen Anteilen der Plastikmüll in den Ozeanen aus westlichen Ländern stammt, bevor europäischen Jugendlichen ein schlechtes Gewissen gemacht wird, weil ihnen ein Milchshake besser durch einen Plastikstrohhalm schmeckt.

Wie dem auch sei. Wenn Sie glauben, Ihr Kind lerne bei solchen Wettbewerben ausschließlich Englisch, sind Sie hiermit eines Schlechteren belehrt. Und, nein, nicht jeder steht auf Weihnachtspullover.

(Hier finden Sie: Der verdeckte Lehrplan (I).)

Prioritäten

Die USA und China schicken Fahrzeuge auf den Mars, in der Bundesrepublik Deutschland werden neue Lastenfahrräder entworfen.

Nostalgie

Wie man hört, sollen in vergleichsweise wenigen Jahren Kraftfahrzeuge mit Otto-, Wankel- oder Dieselmotor nicht mehr zugelassen werden dürfen. Nehmen wir das zum Anlaß für ein wenig Nostalgie, einen Blick in Gegenrichtung.

Erinnern Sie sich sich an die Zeit, als noch kein Computer zwischen Ihnen und Ihrem Auto saß, als der Motor Ihres Wagens noch einen Hubraum hatte, der den Namen verdient, keine 1,2 Liter von grünen Gnaden, und ein Geräusch von sich gab, das Freude machte?

Okay, was über das Geräusch bemerkt wurde, mag für das Exemplar unten rechts nur bedingt gelten, und ob der zweite Wagen von oben in der rechten Spalte mehr Freude als Verdruß bereitete, bleibe dahingestellt. Aber das sind Kleinigkeiten, die ein rückblickendes Lächeln kaum zu trüben vermögen.

Und dann ist da noch diese Meldung vom 16. Juni: Kalifornien sorgt sich, ob seine Stromversorgung ausreiche, und bittet seine Einwohner, am Donnerstag, den 17. Juni, zwischen 17.00 und 22.00 Uhr u.a. auf das Aufladen von Elektro-PKWs zu verzichten. „Flex Alert“ nennt sich das.

Alle Bilder: Pixabay.

Autoschlüssel

Zum Diebstahl von über tausend Autoschlüsseln auf dem VW-Gelände in Emden hat Ramin Peymani alles Notwendige gesagt. Es können darüber hinaus aber noch einige Kleinigkeiten bemerkt werden. Zunächst fällt der schöne Begriff „Abgasautos“ in einem Greenpeace-Tweet auf, der in einem von Peymani verlinkten Artikel der Epoch Times eingebettet ist. Ein schönes Wort, „Abgasautos“. Glauben unsere Umwelt- und Klima-Idealisten (in ihrer oft auf Erdölprodukte zurückgehenden Sport- und Funktionskleidung), die Produktion von Automobilen, welche schwere Akkumulatoren an Bord haben, die selbst ja übrigens auch nicht an Bäumen wachsen, sei ohne „Abgase“ möglich? Selbige Frage wäre bezüglich der Gewinnung von Öko-Strom zu stellen, mit dem die Tugendwedler-Karossen betrieben werden sollen, denn Solarpanels und Windkraftwerke bauen sich ja auch nicht von selbst, verbrauchen Landschaft, wollen, wenn sie erst einmal stehen, gewartet oder gar enteist werden, was ebenfalls kaum ohne Ressourcenverbrauch – „Abgase“ – zu verwirklichen sein dürfte.

„I think, you’re taking a lot of things for granted“ (Milton Friedman zu Phil Donahue, hier ab 2 Min. 10 Sek.): Manche Leute setzen da eine ganze Menge voraus, scheint mir.

Jordan Peterson und Theodore Dalrymple im Gespräch

Jordan Peterson im Gespräch mit Theodore Dalrymple (eigentlich Anthony Daniels), dem Verfasser des u.a. von Thomas Sowell geschätzten Buches Life at the Bottom. Bemerkenswert nicht zuletzt der unterschiedliche Stil der beiden Beteiligten; hier ruhige Betrachtung einzelner Fälle, an denen, von Ironie abgefedert, etwas zu lernen sei; dort ein zuweilen hektisch wirkendes Bohren nach dem Allgemeinen.

Von einem freundlichen Gespräch in Sachen Coronavirus…

…mit dem Landratsamt Rosenheim berichtet Christoph Lemmer auf seinem Blog:

„Aber das kann doch nicht ewig so weitergehen mit diesem Ausnahmezustand!“

(Lacht) „Nein, natürlich nicht. Das will doch auch niemand. Wie kommen Sie darauf?“

Ein Protokoll des gesamten Gesprächs finden Sie hier.

Beleidigtheit vs. Lernfähigkeit

Vor kurzem in einer katholischen Internet-Zeitschrift diese Perle gefunden:

It was with great delight that I came across a remark made by the esteemed editor Robert Fulford: “University education has always been offensive and always will be. Being offended is part of learning how to think.” The obligation of the professor is not to reinforce student prejudices. In order to learn, one must trade erroneous ideas for correct ones. This process exemplifies the passage from darkness to light. It may be humbling to recognize the errors of one’s ways, but it is not offensive.

(Es war eine große Freude, auf eine Bemerkung des geschätzten Herausgebers Robert Fulford zu stoßen: „Der Bildungsprozeß an einer Universitä war immer schon anstößig oder beleidigend [offensive] und wird es immer sein.“ Die Aufgabe des Professors besteht nicht darin, seine Studenten in ihren Vorurteilen zu bestärken. Um zu lernen, muß man irrige Ideen durch korrekte Vorstellungen ersetzen. Dieser Prozeß läßt sich als Heraustreten aus der Dunkelheit und Eintritt in das Licht verstehen. Es mag als demütigend empfunden werden, sich seine bisherigen Verfehlungen einzugestehen, aber es ist weder anstößig, noch beleidigend.)

Es sei nur allzuoft Stolz, so Donald Demarco, der Verfasser dieses Artikel unter dem Titel „The Offensiveness Pandemic“ weiter, der sich den Beleidigungsvorwurf zu nutze mache: „Wie können Sie es wagen, mir und anderen zu zeigen, wie unwissend ich bin?“

So hätten wir ein ‚modernes‘ Übel mit gänzlich ‚altmodischen‘ Begriffen durchschaut: Bescheidenheit vs. Stolz, Demut vs. Hoffart. Was dergleichen Hinterweltlertum nicht alles zu leisten vermag…