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Geschichte Res publica

Tu quoque, Freundchen!

Der Soziologe Helmut Schoeck schreibt in seinem Buch Das Recht auf Ungleichheit, veröffentlicht vor rund vierzig Jahren:

Der Anarchist im 19. Jahrhundert bis zum 1. Weltkrieg mußte nach Möglichkeit ein gekröntes Haupt ermorden. Seine Feindliste war eine verhältnismäßig kleine Zahl von an sich gut schützbaren Personen. Für den Terroristen der letzten 10 Jahre [d.i. seit etwa 1970] ist aber durch die Gesellschaftskritik der Neuen Linken die Opferliste, das Feindbild ungewöhnlich ausgeweitet worden. Alle Formen der Linken, von der gemäßigten bis zur extremen, haben seit rund 20 Jahren durch ihre gemeinsame Diffamierung der sogenannten Mittelklassengesellschaft, der „Wohlstandsgesellschaft“, der „Konsumgesellschaft“, die Ziele für Anarchisten und Terroristen vervielfacht. Es gibt seit einigen Jahren praktisch unzählige Personen und Institutionen, die sich ein Terrorist als Ziel aussuchen kann, unter Beibehaltung eines guten Gewissens aus seiner Sicht der Dinge. So ziemlich jeder Einwohner eines nördlichen Industrielandes, den man als angeblichen Ausbeuter der Dritten Welt seit 20 Jahren diffamiert hat, läßt sich guten Gewissens stellvertretend für die reichen Industrieländer wegen seiner sogenannten Verbrechen an der Dritten Welt hinrichten.

Helmut Schoeck, Das Recht auf Ungleichheit, München u. Berlin 1979, S.258-259. Zitiert nach der 2. Auflage 1980.

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Thomas Sowell: Freie Schulwahl und Bildungserfolg

Charter Schools sind Schulen in den USA, die staatliche Förderung erhalten, aber nicht in die Schulbürokratie eingebunden sind. Sie werden wie ein Unternehmen, nicht wie eine Behörde geführt. Die Schulleitung muß sich vor den Kunden (Eltern) verantworten, was die Dienstleistung (Bildung der Kinder) angeht; die Lehrer vor der Schulleitung. Thomas Sowell berichtet von den großen Erfolgen der Charter Schools. Und davon, wie diese Schulen von manchen Politikern und dem Bildungsestablishment (einschließlich Lehrer-Gewerkschaft) bekämpft werden. Wieder einmal zeigt sich, daß die Interessen der Community Organizer etc. sich von den Interessen derjenigen unterscheiden, die der fraglichen Community angehören.

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Res publica

Noch einmal zu David Hume und der Universität von Edinburgh

Schöner Artikel auf The American Mind, unterzeichnet von drei Hume-Kennern:

We see who these cancellers are and what kind of university they are building.

Hume’s works and name should not be soiled by association with the libraries at the University of Edinburgh.  We call for their removal from the library and transfer to a genuine institution of higher learning.

Nor should Hume’s great student and friend, Adam Smith, be tainted by association with the anti-intellectualism displayed by the place calling itself the University of Edinburgh.  We call for the removal of the special collection of Adam Smith from the Edinburgh library and removal to a place where the works will be respected, like Hillsdale College.

(Wir erkennen, wer diese Austilger sind und welche Art Universität sie schaffen möchten.

Der gute Name und das Werk David Humes sollte nicht durch eine Verbindung mit den Bibliotheken der Universität von Edinburgh befleckte werden. Wir rufen dazu auf, sie aus der dortigen Bibliothek zu entfernen und an eine Anstalt höherer Bildung zu schaffen, die den Namen verdient.

Ebensowenig sollte Humes großer Schüler und Freund Adam Smith durch eine Verbindung mit dem Antirationalismus jener Institution befleckt werden, die sich als Universität von Edinburgh bezeichnet. Wir rufen dazu auf, die Privatbibliothek von Adam Smith aus der Edinburgher Bibliothek zu enfernen und an einen Ort zu schaffen, wo diese Bücher respektiert werden, z.B. Hillsdale College.)

Unterzeichnet von Nicholas Capaldi, John W. Danford und Scott Yenor, die übrigens darauf hinweisen, daß Hume schon einmal von der Universität in Edinburgh geschaßt worden sei. Zu seinen Lebzeiten, weil er allzu „skeptisch“ gegenüber der (damals) christlichen Ausrichtung jener Hochschule gewesen sei.

Interessant, daß sie gerade Hillsdale College empfehlen. Hier mag die Frage staatlicher Förderung – oder besser: der Abwesenheit staatlicher Förderung eine Rolle spielen. Die Hochschule unterstreicht, keine staatlichen Mittel anzunehmen; das macht sie und die Menschen, die an ihr wirken, weit weniger cancellable.

Wenn Sie mögen, hören Sie doch die Rede von Verfassungsrichter Clarence Thomas während der feierlichen Eröffnung der 2019 fertiggestellten Kirche auf dem Campus von Hillsdale. Thomas beginnt ab etwa der 44. Minute zu sprechen (Text der Rede):

Womit denn auch der Skeptiker Hume und eine christlich ausgerichtete Institution höherer Bildung zusammengebracht würden. Bürgerliche Gegenkultur!

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Walter E. Williams: Was ist mit dem „White Privilege“ der US-Nigerianer?

Walter E. Williams warnt vor nachlässig-irreführenden Redeweisen:

How can one tell if a person has white privilege? One imagines that the academic elite, who coined the term, refer to whites of a certain socioeconomic status such as living in the suburbs with the privilege of high-income amenities. But here is a question: Do Nigerians in the U.S. have white privilege? As reported by the New York Post this summer, 17% of all Nigerians in this country hold master’s degrees, 4% hold a doctorate and 37% hold a bachelor’s degree, according to the U.S. Census Bureau’s 2006 American Community Survey. By contrast, 19% of whites have a bachelor’s degree, 8% have master’s degrees and 1% have doctorates.

(Wie kann man feststellen, ob eine Person über „White Privilege“ verfügt? Man darf annehmen, daß die akademischen Eliten, die diesen Begriff geprägt haben, dabei an den gesellschaftlich-wirtschaftlichen Status einer Person dachten, z.B. daran, daß diese Person mit allerlei Annehmlichkeiten, die ein hohes Einkommen erlaubt, in gediegenen Vororten lebt. Aber hier tut sich eine Frage auf: Haben nigerianischstämmige Bürger in den USA „White Privilege“? Wie die New York Post diesen Sommer meldete, verfügen laut dem offiziellen US-Zensus im Jahr 2006 17% aller Nigerianer in unserem Land über einen Master-Titel, 4% haben einen Doktortitel und 37% einen Bachelor-Titel. Unter den weißen US-Amerikanern haben bloß 19% einen Bachelor-Titel, 8% einen Master- und 1% einen Doktortitel.)

Den ganzen Text von Walter E. Williams finden Sie hier, eine sehenswerte Film-Biographie über Williams u.d.T. „Suffer No Fools“ hier.

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David Hume Tower, gecancelled

Die Universität von Edinburgh wird eines ihrer Gebäude, den David Hume Tower umbenennen, weil der Philosoph Rassist gewesen sei. Das schien mir etwa dreißig Sekunden lang schlimm, bis ich gesehen habe, wie der so-gut-wie ehemalige David Hume Tower aussieht: ein Beton-Ungetüm (wie es leider viele gibt), mit dem assoziiert zu werden der große Philosoph nun wirklich nicht verdient hatte.

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‚Freie‘ Fahrt für ‚freie‘ Bürger

Carl Christian Jancke auf Drehmoment und der Achse des Guten:

Seit dem ersten Januar 2020 müssen neue Automodelle, um als Fahrzeugtyp zugelassen werden, ein Onboard Fuel Consumption Meter haben. Ab 1. Januar 2021 gilt das für jedes neu zugelassene Auto in der EU. Die gemessenen Verbrauchsdaten müssen für jedes Auto an die EU-Kommission übermittelt werden. Big Brussels is watching you. Schließlich kann, wer den Spritzufluss misst, den Verbrauch auch rationieren, um dem ehernen Ziel des Klimaschutzes zu genügen.

Schwarzseherei, technisch nicht zu machen?

Da das Onboard Fuelmeter eine Softwarelösung in der elektronischen Motorsteuerung ist, kann mit dem nächsten Software-Update eine Funktion programmiert werden, mit der die Spritzufuhr unterbrochen wird. 100 Liter im Monat könnten reichen. Das macht die Lebensentwürfe von Millionen Menschen kaputt, die lieber auf dem Land leben und in der Stadt arbeiten oder als Selbstständiger auf das Auto mit Verbrennungsmotor angewiesen sind. Denn nur das verfügt über die erforderliche Reichweite. Aber die kann man im Namen des Klimaschutzes ja kappen.

Einer meiner Bekannten, der Freiheitsliebe und Sarkasmus zu gleichen Teilen im Herzen trägt, meint dazu nur: „Tja. Wir zahlen bargeldlos und erstellen so recht genaue Profile unserer Vorlieben und Gewohnheiten, gebrauchen ‚Gesundheitskarten‘, tragen ständig Smartphones mit uns herum, mithilfe derer sich unser Aufenthaltsort abfragen läßt. Warum sollte es unseren PKWs besser gehen als uns?“

Sicher übertreibt er, oder?

Wie dem auch sei. Eine interaktive Weltkarte, die Erdöl- und Erdgasvorräte zeigt, finden Sie auf dieser Website einer US-Regierungsbehörde. Falls mer gucke wolle, wieviel noch da is‘. Aber halt, es geht ja nicht um die Erschöpfung der Ressourcen. Es geht um’s Klima. Das ist das Wichtigste.

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David P. Goldman: China

Alle reden von kulturellen Unterschieden. David P. Goldman (Spengler) rät dazu, dergleichen Differenzen ernstzunehmen:

There are fewer Marxists in China than in Cambridge, Massachusetts. China has been governed by a Mandarin caste selected by standardized exams for more than 2,000 years, and the Communist Party is merely today’s name for the new Mandarin bureaucracy. 

(Es gibt weniger Marxisten in China als an der Harvard-Universität in Cambridge, Massachusetts. China ist über 2.000 Jahre lang von einer Kaste von Mandarinen regiert worden, die mittels standardisierter Examnia ausgewählt wurden, und die kommunistische Partei des Landes ist bloß der heutige Name für die gegenwärtige Bürokratie von Mandarinen.)

Goldman warnt davor, gewisse Fehler zu wiederholen:

A lot of Americans have a warm-and-fuzzy illusion that the Chinese people would embrace American-style democracy if it weren’t for the nasty ChiComs in power. That’s the same kind of thinking that got us into endless wars in the Middle East.

(Viele US-Amerikaner erliegen der herzerwärmend-wattigen Illusion, daß das chinesische Volk eine Demokratie nach US-Vorbild wollen würde, wenn nur die bösen chinesischen Kommunisten nicht an der Macht wären. Solche Ideen gleichen demjenigen Denken, welches uns in endlose Kriege im Mittleren Osten verstrickt hat.)

Anregende Lektüre – hier.

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Joe Biden vs. Thomas Sowell (1987)

Eine kuriose Begegnung: Während der Anhörungen im Rahmen der (gescheiterten) Nominierung Robert Borks für den Supreme Court of Justice der Vereinigten Staaten von Amerika trifft – hier ab etwa Minute 2 des Films – Senator Joseph „Joe“ Biden, Jr. auf Thomas Sowell, der in diesem Blog bereits viele Auftritte hatte. Drollig ist, daß Sowells erste Entgegnung auf Biden gleich auf dasjenige hinauswill, was heute „Virtue Signalling“ genannt wird; dann geht es über die Nachteile von Affirmative Action weiter. Hörens- und sehenswert.

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Res publica

Kartoffeln und Kapitalismus

Roland Baader schreibt in seinem empfehlenswerten, wenn auch etwas rauh geschriebenen, um 30-40 Seiten zu kürzenden Buch „Das Kapital am Pranger. Ein Kompaß durch den politischen Begriffsnebel“ über Kartoffeln und Kapitalismus:

Der amerikanische Ökonom David A. Henderson hat folgende Zahlen ermittelt: Im Jahr 1890 wurden in den USA auf 2.557.000 acres [rund 0.4 Hektar] rund 10 Millarden amerikanische Pfund [rund 0,45 Kg] Kartoffeln geerntet. Das waren 2.990 Pfund je acre. Im Jahr 1997 wurden auf 1.362.000 acres – also auf ungefähr der halben Ackerfläche im Vergleich zum Jahr 1890 – 46 Milliarden amerikanische Pfund Kartoffeln geerntet, d.h. mehr als das Vierfache von 1890 – und, je acre gerechnet, fast das Neunfache von 1890. Die dramatische Steigerung des Ernteertrages hat viele Ursachen, vor allem verbessertes Saatgut, bessere Pflanztechniken, bessere Bewässerung, bessere Düngemittel und bessere Mittel gegen Schädlinge. Hinzu kamen verbesserte Methoden auf allen Verarbeitungsstufen. So werden beispielsweise aus einem Pfund Rohkartoffeln heute mit modernen Maschinen (bessere Schältechnik etc.) 25% mehr Pommes frites erzeugt als vor 25 Jahren. Alle diese Verbesserungen und Fortschritte lassen sich auf einen ursächlichen Nenner bringen, nämlich auf den marktwirtschaftlichen Wettbewerbsprozeß. Konsequent folgert Henderson für die Zukunft: „Die Menschheit wird nur dann verhungern, wenn sie die Märkte nicht frei funktionieren läßt.“

Baader fragt:

Was ist an diesem „System“, das als einziges die Menschheit vor dem Hungertod bewahren kann, unmoralisch?

Gute Frage. Vielleicht gibt die Rinderhaltung mehr Auskunft.

Aus: Roland Baader, „Das Kapital am Pranger. Ein Kompaß duch den politischen Begriffsnebel, Gräfelfing: Resch 2005, S. 87-88; Angaben zu den Einheiten ergänzt. Bild: Van Gogh (Wikimedia Commons).

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Res publica Stil im Alltag

Roger Scruton: Die Hexenjagd-Mentalität der politisch Korrekten

Hören Sie Roger Scruton über die Hexenjagd-Mentalität unserer Tage, die – oft genug durch Facebook, Twitter oder andere „soziale“ Medien bewehrt – manche Karriere auf dem Altar der politischen Korrektheit geopfert hat. Das ist soweit nichts Neues, wird aber doch von Sir Roger ergänzt um die Frage, wie denn eigentlich der (oder die) zu Opfernde ausgewählt werde, und den Hinweis, daß hier ein perverser Pay-off eine Rolle spiele: der Mob gewinnt in seiner Verfolgung ein Gefühl von Einigkeit, Verbundenheit, ja sogar Geborgenheit, indem er den „Bösewicht“ aussondert. Es dünstet also eine Art Nest- oder Stallwärme aus gemeinsamem Haß.

Hier ist der Podcast von knapp zehn Minuten Länge; hier ist der Text. Hörenswert auch Rabbi Jonathan Sacks zum Thema. Beides in englischer Sprache.