Janice Fiamengo über die Hexenjagd auf Alessandro Strumia

Der italienische Physiker Alessandro Strumia hat sich erfrecht, die Sexismus-These anzuzweifeln; für ihn gibt es nicht deshalb weniger Frauen in den führenden Rängen der Physik, weil sie von einer „gläsernen Decke“ oder sonstwelchen Machinationen weißer heterosexueller Männer daran gehindert würden, sondern aus anderen Gründen. Über alles Weitere unterrichtet uns Janice Fiamengo in diesem sehens- und bedenkenswerten, freilich auch bestürzenden Video.

Was ist mit den Natur-„Wissenschaftlern“ los? Entweder lassen sie sich kaufen, oder sie kochen ihr misogynes Süppchen. Kein Wunder, daß die Mondlandung, wie jedermann weiß, ein Fake war.

Nicholas J. Freitas über den Zweiten Verfassungszusatz

Eine hörenswerte Rede im House of Delegates des US-Bundesstaats Virginia. Beachten Sie das große Szepter vor der Bank des Sprechers.

Herr Freitas streift nicht nur das Recht auf Waffenbesitz, sondern auch andere Punkte, z.B. die Vorliebe für krude Ad-hominem-Argumente auf der Linken und deren Implikationen für dasjenige, was Debattenkultur zu nennen kaum noch möglich wirkt. (Sie werden kaum glauben, welche Freude es mir bereitet hat, das Attribut „krude“ zu setzen.)

Mentalitätsunterschied

Noch einmal Ryszard Legutko:

…trzeba być zupełnym ignorantem i prymitywem, by nie zdawać sobie sprawy z tego morza krwi przelanej w historii Polski przez rodaków broniących swojej ojczyzny. Polskie święta narodowe to nie urodziny królowej, jak w przypadku Wielkiej Brytanii, ani jak we Francji rocznica zdobycia przez tłum więzienia i wypuszczenia na wolność kilku złodziei i alfonsów. Zarówno 3 maja, jak i 11 listopada odsyłają nas pośrednio lub bezpośrednio do tego co krwawe i do ludzkich ofiar.

Das ist: „…man müßte schon ein völliger Ignorant und primitiver Mensch sein, um zu ignorieren, welches Meer von Blut vergossen wurde, als unsere Landsleute die Heimat verteidigen mußten. Polnische Nationalfeiertage sind nicht, wie in Großbritannien, der Geburtstag der Königin oder, wie in Frankreich, die Wiederkehr eines Tages, an dem der Mob mit Waffengewalt ein Gefängnis besetzte und eine Handvoll Verbrecher und Zuhälter befreite. Sowohl der 3. Mai, als auch der 11. November stoßen uns unmittelbar oder mittelbar auf das Blutige in unserer Geschichte zurück und auf menschliche Opfer.“


Aus: Ryszard Legutko, Polska, Polacy i Suwerenność, Wydawnictwo Kraków 2014, S. 26-27. Photographie: polnischsprachige Wikipedia, Artikel über die Zerstörung der polnischen Hauptstadt nach dem Warschauer Aufstand.

Dwinger lesen

Studia Neofilologiczne, 14 (2018), S. 9-31 (PDF)

Der gegenwärtige Aufsatz beschäftigt sich mit ausgewählten Zügen des Schaffens von Edwin Erich Dwinger (1898-1981), einem heute weitgehend vergessenen, da politisch desavouierten Erfolgsautor der zwanziger bis vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, der bis hinein in die Bundesrepublik Deutschland publizierte. Dabei werden vor allem Fragen des Gehalts ins Auge gefaßt, formale Aspekte eher am Rande behandelt. Die Darstellung besitzt Längsschnitt-Charakter; sie springt zwischen verschiedenen Werken Dwingers, die zwischen 1929 und 1936 erschienen sind, hin und her, um diesen oder jenen Standpunkt ideologischer Art herauszuarbeiten. Ihr unterliegt die erkenntnisleitende Annahme, daß eine weltanschauliche Nähe zwischen den positiv gezeichneten Figuren Dwingers und ihrem Schöpfer bestehe.[1] Der anklagende, ‚kämpferische‘ Charakter der im Folgenden diskutierten Bücher rechtfertigt eine solche Hypothese, die unter anderen Umständen mehr als problematisch wäre.

Die Beschäftigung mit Dwingers Werk lohnt, weil sie interessante Perspektiven auf die Literatur über den Ersten Weltkrieg – wie unten in einem Vergleich mit Remarques Im Westen nichts Neues durchgeführt – und gewinnbringende Einblicke mentalitätsgeschichtlicher Art erlaubt. Letzteres gilt besonders dort, wo die unterschiedlichen Spielformen des deutschen Antiliberalismus (Kollektivismus, in stärkster Ausprägung Totalitarismus; auch der Symptome Antiamerikanismus und Anglophobie) erforscht werden.[2] Eine Reinwaschung Dwingers wird nicht beabsichtigt.

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Perfekter Tag

„Hohe Luft“ über Kleinpolen. Strahlender Sonnenschein in glasklarer Kälte. Die Streifenfelder zeichnen die Umrisse der wenigen Wolken nach. Auf den zumeist sehr schmalen Äckern sind die Haupt- oder Nebenerwerbsbauern mit ihren jahrzehntealten Ursus-Traktoren unterwegs, die ebenso unverwüstlich sind wie ihre Besitzer, zumal Letztere an Ersteren selbst herumschrauben können. Es ist Sankt Michaelis, Festtag des Erzengels Michael.

Wieder im Haus, finde ich die Mail eines Freundes aus Deutschland vor. Eine seiner Bekannten habe sich die Zeit genommen, Trumps Ansprache vor den Vereinten Nationen zur Gänze und im Original zu hören, halte das meiste davon für sehr vernünftig, weil die Trittbrettfahrerei auf Kosten der westlichen Führungsmacht aufhören müsse. Überhaupt habe sie manches überdacht, bedaure vorschnelle und harsch vorgetragene Urteile über den Mann, der mir die Mail geschrieben hat, sei über ihre Arroganz sogenannten Rechtspopulisten gegenüber erschüttert, wiewohl sie nicht allem, was sie auf dieser Seite des Spektrums höre, zustimmen könne und wolle. Jedoch bildeten, das sehe sie nun ein, eben sowohl die Emergenz neuer Parteien, als auch die Divergenz der Meinungen unablösbare Züge dessen, was man Demokratie und Freiheit zu nennen pflege. Mein Freund möge ihr, die, wenn ich recht orientiert bin, keine Verflossene ist, nachsehen, daß sie die letzten Jahre in unzureichend durchlüfteten Milieus übellauniger Ausrichtung verbracht, sich die tektonischen Verschiebungen im bundesdeutschen Diskurs – er habe lächeln müssen, als er dieses ihm lange schon albern scheinende Wort wie einen Bodensatz alter Sünde (a mind not to be chang’d) in ihrem Schreiben las – nur unzureichend bewußt gemacht habe. Der Unterschied zwischen Patriotismus und Nationalismus leuchte ihr ein, seit einiger Zeit schon, habe sie geschrieben, wiewohl sie niemandem außer ihm kenne, zu dem sie darüber sprechen könne; und, ja, man müsse stets prüfen, ob derjenige, welcher hochtrabende Forderungen moralischer Natur vorbringt, von Liebe oder Ressentiment getragen werde.

Sie glauben das nicht? Ich (leider) auch nicht.

Die Bedeutung des Datums

Keiner dieser Artikel (1, 2, 3) in der deutschen Presse erkennt den Zeichencharakter des Zeitpunktes, an dem der Besuch des polnischen Präsidenten Andrzej Duda bei US-Präsident Donald Trump stattfindet: am 17. September 1939 überschritt die Rote Armee die Grenze zu Polen, reichlich zwei Wochen nach dem Angriff des Deutschen Reichs auf Polen. Der rote und der braune Totalitarismus teilten das Land unter sich auf.

Um beim „Westfernsehen“ nicht immer nur auf die Schweiz angesehen zu sein, empfiehlt sich z.B. ein Besuch auf der Internetpräsenz des polnischen Präsidenten (in englischer Sprache verfügbar; 1, 2, 3, siehe zum letzten Punkt auch hier). Der deutsche Leser erhält hier, sofern er nur des Englischen mächtig ist, Einblicke in Taten, Sentimente und Bindungen, von denen er wenig weiß, die zu kennen jedoch nützlich sein dürfte. (Daß vieles, von dem hier zu lesen ist, in Polen vehementer Diskussion unterliegt, tut der Sache keinen Abbruch. Es versteht sich von selbst, ist Freiheit.)

Der freundliche Zehnjährige,…

…der es versteht, „Entschuldigung“ zu sagen, wenn ihm Leute den Weg verstellen, erntet zutunliches Lächeln, ja nostalgische Erleichterung bei den „jung“ gekleideten Fünfzig- bis Siebzigjährigen um ihn. Nicht zuletzt bei jenen, die sich für gewöhnlich mit einem „Vorsicht!“ oder, schlimmer noch, „Achtung!“ durch ihre Mitmenschen drängen.

Viva Mitteleuropa!

György Schöpflin schreibt in der Druck-Ausgabe von Tichys Einblick (8/2018, S. 22), die durchweg empfehlenswert finde, man habe in Ostmitteleuropa oder, wie er es nennt,

Mitteleuropa einen besonderen Stil des Denkens, […] eine besondere Art, Ideen und Probleme zu strukturieren. Das Erbe der aus dem 19. Jahrhundert stammenden Auffassung von Nation und Nationalismus ist eine intensive Emotionalität, die durch Ironie und Skeptizismus gemildert wird.

Das ist eine gute Einführung für unsere grünwählenden Gut- und Bessermenschen, deren Auffassung von Nation und Nationalismus von allesverzehrendem Selbsthaß geprägt ist, der durch keinerlei Ironie und Skeptizismus gemildert wird.

Wie dem auch sei; passend zum Thema „(Ost-)Mitteleuropa“ bietet Dushan Wegner einen launigen Text über Plzeň/Pilsen, Tschechien und Polen. Die intensive Emotionalität, von der oben die Rede war, zeigt sich hier – in den Kommentaren nämlich – vor allem in der Frage, woher der Braumeister stamme, welcher in Pilsen das Pilsener erfunden habe.

Natürlich enthält Wegners Essay auch eine ernstere Note – so in dem Hieb auf ein in Norddeutschland beheimatetes und kaum anders als überflüssig zu bezeichnendes Nachrichtenmagazin, es moniere, „dass das katholische Polen nicht um Menschen wirbt, deren Religion ihnen zu verbieten scheint, sich Juden oder Christen zu Freunden zu nehmen“.

23,5% meines Bekanntenkreises beiderseits der Oder/Odra dürften diese Einschätzung reichlich undifferenziert finden.

Unterdessen empfiehlt David P. Goldman (Spengler) Ungarn als eines der Länder in Europa, in dem Juden am sichersten leben können. Dazu auch das kurze Interview mit Ezra Levant.

*

Bild: Unterirdischer Gang in Pilsen (Eva Haunerová).

R.R. Reno & The Uses of Corruption

In der März-Ausgabe der polnischen Monatszeitschrift Znak nennt R.R. Reno, Herausgeber von First Things, ein schönes Beispiel für dasjenige, was Theodore Dalrymple (Anthony Daniels) in seinem gleichnamigen Aufsatz als The Uses of Corruption beschreibt:

Watykańska korupcja i niekompetencja są legendarne. Iluzoryczne jest jednak przekonanie, że możemy pozbyć się instytucjonalnych przywar, nie tworząc w ich miejsce innych form zła. Skuteczna biurokracja zwiększa administracyjną władzę, co oznacza, że kiepskie idee mogą być szybciej wprowadzane w życie. Proszę sobie wyobrazić, jak źle potoczyłaby się historia Kościoła, gdyby w latach 70. XX w. posoborowi, postępowi radykałowie mieli do dyspozycji niemieckich urzędników, a nie włoskich księży.

Das ist:

Korruption und Inkompetenz im Vatikan sind legendär. Es ist jedoch illusorisch zu meinen, man könne sich institutioneller Laster entledigen, ohne an deren Stelle neue Übel zu schaffen. Eine effiziente Bürokratie stärkt die Regierungsmacht, was dazu führt, daß zweifelhafte Ideen desto schneller umgesetzt werden können. Stellen Sie sich bitte vor, wie schlecht die Geschichte der katholischen Kirche verlaufen wäre, wenn in den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts die radikalen Fortschrittler nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil deutsche Beamte zur Verfügung gehabt hätten – und keine italienischen Priester.

Stefan George (12.07.1868-4.12.1933)

Heute vor einhundertfünfzig Jahren wurde Stefan George geboren. Ein Leserbrief-Schreiber auf der Achse des Guten fragt, warum er lesen solle, was „dieses unverständliche, mystisch überzogene Ego“ verfaßt habe.  Nun, darum vielleicht:

Sie sagen dass bei meinem sang die blätter
Und die gestirne beben vor entzücken ·
Dass die behenden wellen lauschend säumen ·
Ja dass sich menschen trösten und versöhnen.
Erinna weiss es nicht · sie fühlt es nicht.
Sie steht allein am meere stumm und denkt:
So war Eurialus beim rossetummeln
So kam Eurialus geschmückt vom mahle –
Wie mag er sein bei meinem neuen liede?
Wie ist Eurialus vorm blick der liebe?