David Solway: Oben ist unten, und unten ist oben

Wie es zugeht in einer Welt, in der all dasjenige, was uns oben scheint, für die Gottheit unten ist, und all dasjenige, was uns unten scheint, für die Gottheit oben ist,  beschrieb Leszek Kołakowski. Die Angelegenheit wurde kürzlich von David Solway aufgenommen und mit einer Fülle von Beispielen illustriert:

Eine bis zu den Knien in Blut watende Religion wird zwecks öffentlicher Verdaulichkeit als „Religion des Friedens“ dargestellt. „Soziale Inklusion“ meint die Exklusion jener, die sich weigern, eine vorgefaßte Ideologie zu unterschreiben. „Vielfalt“ oder „Buntheit“ („Diversity“) ist ein antonymisches Synonym für die dumpfeste Einförmigkeit, was Ideen angeht. „Positive Diskriminierung“  („Affirmative Action“) dient dem Rassismus unter des Maske des Antirassismus. Anzügliche Witze, doppeldeutige Kommentare und sogar unschuldige Andeutungen von Bezauberung oder Interesse auf Seiten der Männer werden unter dem Rubrum „sexuelle Übergriffe“ gesammelt und sollen untrügliche Zeichen für eine generelle Verworfenheit des männlichen Geschlechts bilden. Der an Universitäten beliebte Begriff „Vergewaltigungskultur“ („Rape Culture“) bezieht sich auf etwas Nicht-Existentes; gleichwohl wird mit ihm normales Werben und Flirten beschrieben.

Das ist verrückt? Mitnichten. Ideologie soll den Intellekt jedes einzelnen Menschen und damit den Einzelnen selbst demütigen, wie Theodore Dalrymple zeigt. Darüber hinaus bildet deren Akzeptanz das Tor, durch das man in die Elite und deren wohlbestallte Dienerschaft eintreten kann.

Von wegen Populismus: der andere Blick ostmitteleuropäischer Menschen auf den Staat

David Solway berichtet:

A Romanian friend who suffered through Nicolae Ceaușescu’s dictatorship in his home country tells me that in many ways the situation in the “freedom loving” West is actually worse. In Romania, as in the Soviet Union and the rest of the Eastern Bloc, most people knew that the regime was founded on lies and that the media were corrupt, time-serving institutions. Here, on the contrary, people tend to believe that the government is relatively, if not entirely, trustworthy, that the judiciary is impartial, and that the media actually report the news. Citizens are therefore susceptible to mission creep and are piecemeal deceived into a condition of indenture to socialist governance, an activist judiciary, a disinformative, hireling press corps, and left-wing institutions. People will vote massively for the Liberal Party in Canada and the Democrats in the U.S., not realizing they are voting themselves into bondage, penury and stagnation.

Das ist: Ein rumänischer Freund von mir, der die Ceausescu-Diktatur in seiner Heimat durchlitten hat, erklärt mir, daß die Situation im „freiheitsliebenden“ Westen schlimmer sei. Die Menschen in Rumänien, der Sowjetunion und den anderen Ostblock-Staaten wußten, daß ihr Regime auf Lügen gründete und die Medien korrupte Institutionen lakaienhaften Zuschnitts waren. Hier hingegen, im Westen, neigen die Leute zu der Annahme, daß ihre Regierung einigermaßen oder gar zur Gänze vertrauenswürdig sei, das Gerichtswesen unparteiisch, die Medien tatsächlich Nachrichten brächten. Deshalb lassen die Bürger über sich ergehen, daß ihre Regierung immer mehr Aufgaben übernimmt; sie lassen sich in eine Situation der Vertragssklaverei (Indentur) mogeln, in der sie ihrer fiskalsozialistischen Regierung, einem weltanschaulich beeinflußten Gerichtswesen, der ihre Leser oder Zuschauer irreführenden, mietlinghaften Journalistenschaft und sonstigen linkslastigen Organisationen und Einrichtungen ausgeliefert sind. Die Menschen wählen zuhauf Parteien, die wie die kanadische Liberal Party oder die US-Demokraten dem linken Spektrum zugehören, weil ihnen unklar bleibt, daß sie sich selbst in einen Zustand der Knechtschaft, Mittellosigkeit und Ausweglosigkeit hineinwählen.

Mehr hier. Interessant im gegebenen Zusammenhang: Theodore Dalrymple, „The Uses of Corruption“ (2001).