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Karsten Dahlmanns

ego autem et domus mea serviemus Domino

Unnütze Fächer

Verärgert durch überselbstgewisse Naturwissenschaftler, Ingenieure und Informatiker?

Leibniz Universität Hannover: Das sah ja schon mal besser aus!

Durch den (unschuldigen) Vorsatz, in der Fachbibliothek Sozialwissenschaften der Leibniz Universität Hannover (tatsächlich ohne Bindestrich) zwei schmale Bücher zu entleihen, geriet ich in eine Art Dschungel. Kaum auszudenken, was ein Stipendiat oder eine Stipendiatin aus, sagen wir, Ostasien beim Anblick solcher Verwahrlosung empfinden möchte.

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Röpke lesen und lernen

Wilhelm Röpke zählt zu den „stillen“ Großen deutscher Wissenschaft. Sein Denken verbindet Nationalökonomie und Geisteswissenschaft, wie kaum sonst zu finden; es zeigt, wie die Ergebnisse „der anderen Seite“ berücksichtigt sein wollen, und es tröstet, wo jene Einseitigkeit, die notwendig in Beschränktheit mündet, nicht zur Kenntnis nehmen will, was Kenntnisnahme verdiente. Deshalb ist es erfrischend unmodisch.

Eine der schönsten Passagen aus dem Röpke’schen Werk sei nun gegeben:

Daß freilich ein Buch wie dieses, das die Dinge ohne billige Trostgründe beim Namen nennt, nicht ganz ins Leere gesprochen zu sein scheint, gehört zu den Umständen, die Hoffnung machen. Die Aufnahme, die es […] gefunden hat, läßt im ganzen erkennen, daß ich mit vier Möglichkeiten der Reaktion zu rechnen habe.

Da sind erstens diejenigen, die das Buch en bloc ablehnen, weil es ihren mehr oder weniger kollektivistisch-zentristischen Ideen vollständig zuwiderläuft. Da sind zweitens die anderen, die an diesem Buche, das sich „Jenseits von Angebot und Nachfrage“ nennt, eigentlich nur das zu schätzen scheinen, was diesseits und nicht jenseits liegt, die unbekehrten Rationalisten, die hartgesottenen Ökonomisten, die prosaischen Utilitaristen, die vielleicht meinen, daß aus dem Verfasser bei fester Führung ein halbwegs brauchbarer Nationalökonom hätte werden können. Da sind umgekehrt drittens diejenigen, die den Ökonomisten in mir selber als allzu hartgesotten tadeln und dafür nur den Teil des Buches loben, der von den Dingen „jenseits von Angebot und Nachfrage“ handelt, die reinen Moralisten und Romantiker, die mich vielleicht als Beweis dafür anführen, wie eine reine Seele durch die Ökonomie verdorben werden kann. Da sind endlich diejenigen, die dem Buche als ganzem günstig gesinnt sind und es als seinen Vorzug ansehen, daß es die drei anderen Gruppen herausgefordert hat.

Ich würde aus meinem Herzen eine Mördergrube machen, wenn ich nicht offen bekennen würde, daß mir die vierte Gruppe die liebste ist.

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„Naseweise klüglinge/vnd gehessige Neidharten“

Stahl, Estnische Grammatik

Es wird Zeit, wieder einmal etwas Schönes zu hören. Deshalb folgt nun die Vorrede („Author ad Isagogen“) aus Heinrich Stahls „Anführung zu der Esthnischen Sprach“, die 1637 in Reval, dem heutigen Tallinn erschienen ist.

GEhe hin/meine Anführung/in die Welt/vnd vnter die Leute/und hilff denen/so zur Esthnischen Sprache beliebung tragen/das sie zu deroselben wissenschafft gelangen/vnd ihrer gebrauchen/Gott zu Ehren/ihnen selbst zu zeitlichem vnd ewigen gedeyen/vnd vielen Menschen zu nutz vnd frommen/wie du dann vmb solcher/und keiner andern Vrsachen willen von mir abgefertiget wirst.

Ich will dir aber zuvor sagen/vnd verkündigen/wie es dir gehen werde/vnd was du wirst zu erwarten haben/auff das du dich desto besser in die Zeit schicken/darnach richten/vnd gegen männiglich der gebühr nach verhalten/vnd bezeigen möges.

Es werden dir/liebe Anführung/begegnen viele fromme hertzen/die dich mit frewden empfangen/annemen/vnd deiner gebrauchen werden: Denen selben soltu dienen/vnd so viel möglich/befürderlich sein/das sie die Esthnische Sprache fassen/vnd wesser art sie sey/erkennen/oder/da sie selbige schon zuvor wissen/das sie sich mit dir eine kleine weile belüstigen/ und ergetzen; Darnach soltu deine Großgünstige Herren auch fleissig ersuchen/das sie für lieb annemen/was ich/mit vielfältiger mühe vnd schwerer Arbeit häuffig vnd überlüssig beladen/in kurtzer Zeit/schleunigst entworffen/vnd dir mitgetheilet/vnd sich nicht wundern lassen/dafern etwas unverhoffentlich untergeschlichen/das allerdings nicht besteht/vnd sie besser verstehen […]. So aber einem oder dem andern düncket/das an dir/oder meinen andern Schriften/die außgekommen/vnd hinführo außkommen werden/etwas zu endern/zuzusetzen/außzuwerfen/vnd zuverbessern/allermassen ich selbst erkenne/das du noch vnvollkommen/vnd nur auß dem gröbesten gehawen/den oder dieselben soltu bitten/das sie mich dessen Schrifft- oder Mündtlich ohne schew erinnern/Ich erbiete mich solches danckbarlich anzunehmen/vnd guten Raht williglich zu folgen.

Neben diesen wirstu auch antreffen Naseweise klüglinge/vnd gehessige Neidharten/welche bald hie/bald dort etwas herfür suchen und außklauben/selbiges durch ihren klugen Kopff ziehen/anzischen/lästern/tadeln/vnd nach ihrer hocherhabenen Naseweißheit meistern vnnd klügeln werden/nicht das sie dazu gnugsahme vrsachen hetten/sondern die Leute sehen/hinder ihren grossen Bärten/vnnd anschlägigen Köpffen stecke auch/vnd sey vergraben/grosse/vnerforschliche/thörliche klugheit/für welcher sie bersten möchten.

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