Harvard

Gleichförmigkeit und Eigenbrötelei

Richard Fernandez stellt fest, daß der Besuch einer renommierten Universität heute weniger der Bildung diene, als dem Auf-Linie-Bringen:

educational institutions have lately been focused on creating cultural clones of themselves. They are full of speech codes, no-go areas of inquiry, forbidden subject matter, and even banned books. All too often, you go to college to narrow your mind.

(Bildungsinstitutionen haben sich in letzter Zeit darauf konzentriert, Klone ihrer selbst zu produzieren. Sie sind voll von Sprachregelungen, Denk- und Forschungsverboten, und sie haben sogar Bücher verboten. Nur zu oft gehen junge Leute auf eine Universität, um ihren geistigen Horizont nicht zu erweitern, sondern zu verengen.)

Eine Alternative dazu sei Autodidaktentum, ein Streben nach Wissen außerhalb von Universitäten. Fernandez präsentiert eine Liste berühmter Autodidakten und beruft sich auf Elon Musk:

Elon Musk famously said “you don’t need college” to learn. 

(Wie allgemein bekannt, hat Elon Musk gesagt: Man braucht keine Hochschule, um zu lernen.)

Natürlich zeigt sich Fernandez vorsichtig. Der ‚unabhängige‘ Weg taugt nicht für jedermann. Bildungsentscheidungen sind, wie alle menschlichen Entscheidungen, Entscheidungen unter Risiko. Dergleichen kann auch schiefgehen. Deshalb gibt es eine schöne Entgegnung oder Parodie auf die abschließenden Verse des bekannten Gedichts „The Road Not Taken“ von Robert Frost:

I took the one less traveled by,
And that has made all the difference.

(Ich nahm den Weg, den weniger Leute wählten, / und das hat all den Unterschied ausgemacht.)

Die Parodie lautet (in deutscher Sprache): „Ich nahm den Weg, den weniger Leute wählten, und jetzt weiß ich leider, leider nicht mehr, wo ich hingeraten bin.“

Glücklicherweise ist die Wahl zwischen Gleichförmigkeit und Eigenbrötelei nicht zwingend. Es gibt weitere Möglichkeiten: Man sucht sich eine weniger angesehene Universität, deren Dozenten weniger auf Linie sind, und/oder man sucht sich ‚altmodische‘ Dozenten, die zwischen Wissen, Denken und Frömmelei unterscheiden und viel von ihren Studenten verlangen. Zwei-drei solche Dozenten im Laufe eines Studiums genügen; es müssen nicht viele sein. David P. Goldman illustriert mit folgender Anekdote, worum es geht:

Long after my undergraduate years, I had the privilege of numerous conversations with Robert Mundell, the father of supply-side economics, among many other great achievements that later won him the Nobel Prize. I would ask him a question, and he would refer me to one of his articles. I struggled with the article (which I never understood at first reading) and asked him another question, and Mundell would refer me to yet another article. The conversations never lasted more than fifteen minutes (and usually less than five), and I had the strong impression that Mundell, who is a genius, thought me a dunce. Simply by telling me that I was on the wrong track, and referring me to another source, I learned to look through to the foundations of economics.

(Lange nach meinem Grundstudium hatte ich die Gelegenheit, oft mit Robert Mundell sprechen zu können, dem Begründer der angebotsorientierten Wirtschaftstheorie, welche ihm später zusammen mit seinen anderen wissenschaftlichen Leistungen den Nobelpreis einbringen sollte. Ich stellte ihm eine Frage, und er antwortete, indem er mich auf einen seiner Artikel verwies. Ich kämpfte mich durch den Artikel (den ich niemals beim ersten Lesen verstand); dann stellte ich ihm eine weitere Frage, und er verwies mich auf einen weiteren Artikel. Unsere Gespräche dauerten nie länger als fünfzehn Minuten (sondern in der Regel weniger als fünf Minuten), und ich hatte den deutlichen Eindruck, daß Mundell mich für einen Blödmann hielt. Aber dank seiner Hinweise, daß ich auf dem Holzweg war, und seiner Verweise auf andere Quellen lernte ich, die Grundlagen der Ökonomie zu verstehen.)

Mundell war nicht ’nett‘ zu Goldman, doch mehr als freundlich. Mundell hörte kurz zu, gab knappe Hinweise, die mehr als wertvoll waren. Das ist die Korrektur, das sind die Anregungen, die sich außerhalb von Universitäten (oder auch Hochschulen) schlecht gewinnen lassen. Und das bezeichnet den goldenen Mittelweg zwischen Gleichförmigkeit und Eigenbrötelei.

Ah, und dann gibt es da noch den Trick mit den zwei Noten, der offiziellen, in die Bücher eingehenden Note und einer weiteren, bloß als ‚idealistische‘ Orientierung für den Studenten figurierenden Note. Wie Prof. Mansfield (Harvard) berichtet, sei letztere für viele Studenten von größerer Bedeutung (vgl. im dort eingebetteten Video ab 14 Min. 30 Sek). So sind wir doch wieder bei den renommierten Universitäten angelangt.

Thomas Sowell: „Diversity“ und Antisemitismus

Der in Deutschland viel zu wenig bekannte Nationalökonom Thomas Sowell berichtet über die antisemitischen Ursprünge des Begriffs „Diversity“. Damit erhalten wir einen weiteren Grund, uns von dieser fatalen Phrase nicht irremachen zu lassen:

Although diversity has become one of the leading buzzwords of our time, it has a history that goes back several generations. In the early twentieth century, the principle of geographic diversity was used to conceal bias against Jews in the admission of students to Harvard and other leading academic institutions.

Because the Jewish population was concentrated in New York and other east coast communities at that time, quota limits on how many Jewish students would be admitted were concealed by saying that Harvard wanted a diverse student body, consisting of students from around the Country.

Therefore some highly qualified Jewish applicants could be passed over, in favor of less qualified applicants from the midwest or other regions of the Country.

Das ist: Obwohl „Diversity“ eine der vorherrschenden Kampfbegriffe unserer Zeit ist, verfügt er über eine Geschichte, die mehrere Generationen zurückreicht. Im frühen zwanzigsten Jahrhundert wurde das Prinzip geographischer „Diversity“ gebraucht, um Mißgunst gegen Juden zu verdecken, die sich um die Aufnahme an die Universität von Harvard oder andere führende Hochschulen bewarben.

Da zu jener Zeit amerikanische Juden vor allem in New York und anderen Städten an der Ostküste wohnten, wurden Quoten festgelegt, die bestimmten, wie viele jüdische Studenten zugelassen wurden. Diese Quoten wurden durch die Behauptung bemäntelt, man wünsche eine Studentenschaft, die von „Diversity“ gekennzeichnet sei, das heißt aus allen Gegenden der Vereinigten Staaten stamme.

Mit dieser Begründung konnten einige hochqualifizierte jüdische Bewerber übergangen werden, um weniger qualifizierte Bewerber aus dem mittleren Westen oder anderen Landstrichen der USA aufzunehmen.